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Team Cardiospect

Ausgezeichnete Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft: Herzerkrankungen früher erkennen

Im Rahmen des K-Regio Projektes Cardiospect wird derzeit in Tirol ein Magnetresonanz-kompatibles Belastungsergometer entwickelt. Dadurch können alltägliche Belastungssituationen in einer MRT-Röhre simuliert werden. Diese nichtinvasive und schnelle Untersuchung ermöglicht eine frühe Diagnose von koronaren Herzerkrankungen (KHK). Das Unternehmen Ergospect entwickelt das Gerät gemeinsam mit dem Softwareunternehmen Infpro GmbH und der Medizinischen Universität Innsbruck.

Herzerkrankungen sind in den westlichen Industrieländern mittlerweile die häufigste Todesursache und auch größter Kostentreiber im Gesundheitswesen. „Das aktuelle Problem besteht darin, dass ein noch gesunder Mensch mit Risikofaktoren sowie bei PatientInnen mit koronarer Herzkrankheit der Zustand des Herzmuskels bisher zu wenig beachtet wird“, erklärt ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Schocke, stellvertretender Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Radiologie. „Erst wenn schon eine Ischämie, also eine Verminderung oder Unterbrechung der Durchblutung des Herzens, aufgetreten ist, wird die Beschaffenheit des Gewebes des Herzmuskels genauer angeschaut.“ Die Untersuchung erfolgt dann durch die Kontrastmittel unterstützte Magnetresonanztomographie (MRT). Es wäre allerdings sinnvoller, bereits früher, wenn beispielsweise Risikofaktoren vorliegen oder ein merkbarer Leistungsabfall aufgetreten ist, eine entsprechende Untersuchung zu machen. Ein Herzinfarkt könnte dann frühzeitig diagnostiziert werden. „Bei bestimmten Fragestellungen ist es aber für eine entsprechende Beurteilung notwendig, sich die Funktion des Herzens unter Stress anzuschauen. Das ist bisher allerdings nur möglich, wenn entsprechende Medikamente gegeben werden, was nicht unproblematisch ist.“ Prof. Schocke unterstützt daher die Entwicklung von Mag. Thomas Hugl von der Firma Ergospect, welche die Idee zu dem Gerät hatte. Im Rahmen des K-Regio Kooperationsprojektes „Cardiospect“ wird jetzt gemeinsam mit der Softwarefirma Infpro GmbH ein Magnetresonanz-kompatibles Belastungsergometer entwickelt. Dieses ermöglicht die Simulation von alltäglichen Belastungssitutaionen in der MRT-Röhre. Als Kooperationspartner der Medizinischen Universität Innsbruck sind Univ.-Doz. Dr. Bernhard Metzler von der Abteilung für Kardiologie sowie ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Schocke und Oberärztin Dr. Regina Esterhammer von der Abteilung für Radiologie an dem Projekt beteiligt.

K-Regio Kooperationsprojekt Cardiospect: Weltweit einzigartige Entwicklung
Begonnen hat das K-Regio Projekt „Cardiospect“ im Sommer 2011. K-Regio Projekte werden vom Land Tirol gefördert. „Inzwischen liegt bereits ein entsprechendes Gerät vor, das bis zum Sommer serienreif sein soll“, erklärt Mag. Thomas Hugl. „Noch in diesem Jahr soll auch die erste von zwei PatientInnenstudien an der Univeristätsklinik Innsbruck beginnen.“ Ein Problem bei der Entwicklung ist, das alle Gerätschaften, die während einer MRT Untersuchung verwendet werden, zu Artefakten bei der Bildgebung führen können. „Es muss also daher sicher gestellt werden, dass unser Gerät wirklich MRT tauglich ist.“ Bisher gibt es im internationalen Vergleich keine ähnliche Entwicklung. „In den USA wurde ein Laufband entwickelt, das MRT tauglich ist. Allerdings steht dieses lediglich in dem Raum, in dem die MRT-Untersuchung stattfindet. Nach der Belastung, muss der Patient bzw. die Patientin erst in die Röhre gebracht werden. Das hat den Nachteil, das sich in der Zwischenzeit der Herzschlag wieder normalisiert.“ Der Vorteil des Cardiospect-Belastungsgerät ist also, das es zum Einsatz kommt, während die PatientInnen in der Röhre liegen. An den Füßen haben sie eine Art Stepper, mit der sie treten können und so ihr Herz-Kreislaufsystem belasten.

Sonderauszeichnung beim science2business Award 2012
Im Rahmen des science2business Award 2012 für die beste Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft erhielt das Projekt Cardiospect eine Sonderauszeichnung der Jury. In einer Aussendung des Veranstalters heißt es, die Kooperation habe die BegutachterInnen damit beeindruckt, dass sie von Null begonnen haben und mittlerweile einen Status erreicht haben, dass sich das Unternehmen selbst zu tragen beginnt. Insgesamt 33 Projekte an denen insgesamt 175 verschiedene Organisationen aus zehn Nationalbeteiligt waren, traten dieses Jahr um den anspruchsvollen science2business Award an. Der Gewinner des science2business Awardes 2012 ist das VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierungs Forschungs GmbH in Kooperation mit der Agfa HealthCare GmbH, die an computergestützter Diagnostik und Operationsplanung forschen.

Hintergrund: K-Regio Projekte
Das regionale Förderprogramm K-Regio hat seinen Schwerpunkt in Kooperationsprojekten, die den nachhaltigen Auf- und Ausbau von Forschungsinfrastrukturen in Tirol bewirken. Das Land Tirol fördert hier mehrjährige Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit hohem aber kalkulierbarem Risiko. Förderbare Projekte müssen den inhaltlichen Definitionen der „Industriellen Forschung“ oder der „Experimentellen Entwicklung“ laut EU-Gemeinschaftsrahmen für staatliche Beihilfen für Forschung, Entwicklung und Innovation entsprechen und zu mittel- oder unmittelbaren Produkt- oder Verfahrensinnovationen führen, aus denen sich eine ökonomische Wertschöpfung für Tirol erwarten lässt.

(hof)

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© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 11.5.2012, 13:05:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo