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Prof. Schubert

Innovatives Forschungsdesign aus Innsbruck: Neue Erkenntnisse über die Dynamik von Stress

Was passiert, wenn wir Stressfaktoren ausgesetzt sind? Ao. Univ.-Prof. Dr. Christian Schubert, Leiter des Labors für Psychoneuroimmunologie (PNI) an der Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie und seine Kooperationspartner haben ein Forschungsdesign entwickelt, mit dem die Wechselwirkungen zwischen Alltagserleben und Stresssystemparametern untersucht werden können. Die WissenschaftlerInnen konnten die Ergebnisse ihrer integrativen Einzelfallstudie kürzlich im Onlinejournal PLoS ONE veröffentli

Mit einem innovativen Forschungsdesign haben Innsbrucker Forscher persönlich bedeutsame Alltagsereignisse und ihre körperlichen Auswirkungen untersucht. Die außergewöhnliche Einzelfallstudie mit einer gesunden 26-jährigen Frau brachte neue Erkenntnisse über Zeitverzögerung und Reaktionsmuster zwischen Alltagserfahrung und endokrinoimmunologischer Stressreaktion des Körpers. „Im Vergleich zu konventionellen Studien in diesem Bereich ermöglicht unser in den letzten 15 Jahren in Innsbruck entwickeltes Forschungsdesign die Auswirkungen von Stressoren nicht im Rahmen einer Laborsituation, sondern im echten Leben („life as it is lived“) zu untersuchen“, erklärt ao. Univ.-Prof. Dr. Christian Schubert, Leiter des Labors für Psychoneuroimmunologie an der Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie. Seine wichtigsten Kooperationspartner für diese Art von Studien sind ao. Univ.-Prof. Dr. Dietmar Fuchs (Sektion für Biologische Chemie) und Dr. Willi Geser (Universität Innsbruck, Institut für Psychologie).
In Rahmen einer sogenannten „integrativen Einzelfallstudie“ gab die Probandin 63 Tage lang in 12-Stunden-Intervallen Urinproben ab. Ziel war es den Cortisol- und Neopterinspiegel (zellulärer Immunparameter) zu messen. Gleichzeitig füllte die Frau Fragebogen zu ihrem Tagesablauf, ihrem emotionalen Befinden und einer Reihe weiterer Alltagsroutinevariablen aus. Einmal in der Woche fand ein persönliches Interview mit der Probandin statt, um emotional positiv und negativ besetzte Ereignisse ihres Alltags genauer zu bestimmen. Die subjektiv bedeutsamen Ereignisse wurden dann binär codiert und in eine psychosoziale Zeitleiste eingetragen. Auch von den biochemischen Ergebnissen wurde eine entsprechende Zeitreihe angelegt und beide schließlich kreuzkorreliert. „Auf diese Art und Weise können wir positive und negative psychophysiologische Korrelationen über die Zeit ermitteln“, erklärt Prof. Schubert den komplexen Ansatz.

Ergebnisse der Studie
Mittels dieser Forschungsmethode hat das Forscherteam um Prof. Schubert interessante Entdeckungen machen. Beispielsweise zeigten die Untersuchungen, das persönlich bedeutungsvolle Ereignisse zu zyklisch auftretenden Veränderungen sowohl im Cortisol, also auch im Neopterinspiegel des Urins führen. So fällt beispielsweise der Cortisolspiegel 12 bis 24 Stunden nach einem Stressmoment zunächst ab, steigt dann aber 72 bis 84 Stunden später wieder an. „Unsere Forschungsarbeit zeigt, dass die Veränderungen im Urin mit einer wesentlich größeren Zeitverzögerung auftreten als bisher angenommen und dass sie in biphasischen und nicht monophasischen Reaktionsmustern ablaufen“, erklärt Prof. Schubert. „Unsere Ergebnisse unterscheiden sich daher wesentlich von den Erkenntnissen konventioneller Studien. In Zukunft sollten weitere Studien mit unserem innovativem Forschungsdesign durchgeführt werden.“

„Das Wunder Heilung“
Das öffentliche Interesse an solchen Untersuchungen in Alltagssituation ist jedenfalls gegeben. Erst kürzlich wurde Prof. Schubert von einem Kamerateam des ORF für die Sendung „kreuz und quer“ interviewt. Das Thema der Sendung, die im Mai ausgestrahlt werden soll, ist „Das Wunder Heilung“. In dem Beitrag wird auch eine kürzlich publizierte Studie aus den USA angesprochen, die zu dem Ergebnis kommt, das Menschen die regelmäßig in die Kirche gehen, eine um 25 Prozent höhere Lebenserwartung haben und verringerte Entzündungswerte dabei eine vermittelnde Rolle einnehmen. „Es wäre interessant, diese Studie auch bei uns durchzuführen, schließlich ist es fraglich, ob die US-amerikanischen Ergebnisse auch auf unseren Kulturkreis übertragbar sind. Das von uns entwickelte Forschungsdesign würde sich für eine solche Untersuchung jedenfalls sehr anbieten.“

(hof)

Links:

Artikel PLoS ONE:
“Stress System Dynamics during “Life As It Is Lived”: An Integrative Single-Case Study on a Healthy Woman”
AutorInnen: Christian Schubert, Willi Geser, Bianca Noisternig, Dietmar Fuchs, Natalie Welzenbach, Paul König, Gerhard Schüßler, Francisco M. Ocaña-Peinado, Astrid Lampe

Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 6.4.2012, 08:56:00ximsFacebook Logo