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Aktuelles aus der IT

 

Ein Virus und die IT-Abteilung 

SARS-CoV-2 war mehr als nur ein Stresstest für die IT-Infrastuktur: Die COVID-19-Pandemie ist ein „Booster“ für die Digitalisierung, auch an der Medizinischen Universität Innsbruck. Ein Blick hinter die Kulissen der Abteilung Informationstechnologie, die aktuell unter anderem an einem Data-Warehouse für die Forschung „baut“.

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Wir bewegen uns aus Sicht der Informationstechnologie in einem starken Spannungsfeld zwischen dem berechtigten Interesse der Forschung einerseits und der damit verbundenen Notwendigkeit eines immer höheren Schutzniveaus andererseits.“ Christoph Wild

Mit dem Beginn der COVID-19-Pandemie im März 2020 wurde auch an der Medizinischen Universität Innsbruck der reguläre Lehrbetrieb ausgesetzt. Die Lehrenden und etwa 3.300 Studierende waren somit angewiesen, den Unterricht innerhalb kürzester Zeit auf „Distance Teaching“ und „Distance Learning“ umzustellen. Die bereits vorhandene Lernplattform ILIAS wurde bis dahin allerdings zum überwiegenden Teil nur zur Bereitstellung von Vorlesungsunterlagen genutzt und bot keine Möglichkeit „live“ zu unterrichten. Trotzdem gelang die Bereitstellung einer geeigneten Plattform erstaunlich schnell, da die IT-Abteilung CISCO Webex bereits getestet hatte. Statt wie in der zweiten Jahreshälfte geplant, wurde innerhalb weniger Tage allen rund 3.300 Studierenden und 2.200 MitarbeiterInnen Webex als Möglichkeit zur digitalen Kollaboration und Kommunikation zur Verfügung gestellt. 

„Aufgrund des existierenden Funktionsumfangs der Plattform waren wir in der Lage, rasch eine vollwertige Lösung für die Abhaltung von Lehrveranstaltungen und Meetings zur Verfügung zu stellen“, sagt Christoph Wild, Leiter der IT-Abteilung der Medizinischen Universität Innsbruck. „Den Rollout konnten wir deshalb so schnell umsetzen, weil wir die Pläne grundsätzlich schon in der Schublade hatten und das gesamte Team aus den Abteilungen Studienorganisation und IT auf ein gemeinsames Ziel hingearbeitet hat.“ In den Höchstzeiten wurden pro Tag durchschnittlich rund 150 Meetings und Lehrveranstaltungen über Webex abgehalten, an Spitzentagen gab es insgesamt über 4.500 TeilnehmerInnen. Im Schnitt waren es 3.000 TeilnehmerInnen. Virtuelle Events und die Kommunikation über Webex sind mittlerweile auch im Normalbetrieb nicht mehr wegzudenken. Viele MitarbeiterInnen und Studierende nutzen nach wie vor und trotz des Neustarts der Präsenzlehre Webex oder andere digitale Plattformen. „Auch in der Verwaltung hat sich zum Teil eine neue Art der Kommunikation etabliert. Die Zusammenarbeit wird über Abteilungs- und Organisationsgrenzen hinweg erleichtert.“ 

Auch wenn die COVID-19-Pandemie gezeigt hat, dass online viel möglich ist: Die Medizinische Universität Innsbruck wird eine Präsenzuniversität bleiben, da zentrale Inhalte des Studiums nur in Praktika und durch persönliche Anwesenheit und im direkten Austausch gelernt werden können. „Der Lockdown hat aber sicherlich die Digitalisierung an der Universität beschleunigt und Online-Elemente werden vermehrt auch in Zukunft dort zum Einsatz kommen, wo sie einen echten didaktischen Mehrwert bieten“, sagt Wild: „Allerdings wurden auch Grenzen der Technologie aufgezeigt.“ Gerade zu Anfang der Pandemie gab es insbesondere zu Spitzenzeiten Probleme bei den Online-Meetings. Wenn in Zeitzonen mit großen Städten, wie etwa London, die Systeme gestartet wurden, kam es zu sogenannten „Lastspitzen“ und den damit verbundenen Beeinträchtigungen. „Spitzen dieser Größenordnung stellen für jedes System eine Herausforderung dar. Weder die Webex Plattform selbst noch die verfügbare Netzwerkbandbreite waren hier das Problem,“ so Wild. CISCO, der Anbieter von Webex hatte allein im März 2020 über 300 Millionen neue User weltweit registriert und konnte – so wie andere Anbieter auch – trotz massiver Investitionen in zusätzliche Hardwareressourcen nur schwer mit dem unerwarteten Wachstum mithalten. 

Themen wie Datensicherheit, Datenschutz und Compliance rücken auch an der Medizinischen Universität Innsbruck immer mehr in den Fokus: Daten sind das Herzstück vieler Forschungsprojekte; ForscherInnen wünschen sich einen breiten Zugang zu beispielsweise PatientInnendaten, um diese wissenschaftlich auswerten zu können und wichtige Rückschlüsse auf mögliche Therapien und Risikofaktoren zu erhalten. Gerade die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass ForscherInnen auch über nationale Grenzen hinweg zusammenarbeiten und aktuell Behandlungsdaten von COVID-19-PatientInnen auswerten können, um wichtige Rückschlüsse auf die Behandlung und Eindämmung der Pandemie zu erhalten. Hohe Standards in Bezug auf den Datenschutz und die Sicherheit der Daten müssen dabei eingehalten werden. „Wir bewegen uns hier aus Sicht der Informationstechnologie in einem starken Spannungsfeld zwischen dem berechtigten Interesse der Forschung einerseits und der damit verbundenen Notwendigkeit eines immer höheren Schutzniveaus andererseits“, so Wild. Ein wichtiges Zukunftsprojekt der IT-Abteilung an diesem Schnittpunkt ist das sogenannte „Clinical Data Warehouse“ für die Forschung. Dabei handelt es sich um ein zentrales Datenbanksystem, das Informationen aus verschiedenen Systemen extrahiert und sammelt und dies zu Forschungszwecken für Auswertungen und Analysen bereitstellt. Zentraler Punkt bei einem solchen System ist neben der Umsetzung eines adäquaten Sicherheitsniveaus auch die gute Zusammenarbeit mit Partnern, wie beispielsweise den tirol kliniken in Bezug auf Prozesse und technische Schnittstellen. 

Datensicherheit ist eine der wichtigsten Agenden in der IT-Abteilung und gerade an einer Universität ein herausforderndes Thema, wie beispielsweise die Anzahl der Zugänge zum Virtual Private Network (VPN) zeigt: 6.000 NutzerInnen, die über VPN eine sichere Verbindung in das Datennetz des eigenen Unternehmens aufbauen können, gibt es an der Medizinischen Universität Innsbruck. Dieses Szenario stellt eine besondere Herausforderung dar, denn üblicherweise haben bei Unternehmen nur ausgewählte Personen die Möglichkeit, eine VPN-Verbindung aufzubauen, um sich damit ins Firmennetz einzuwählen. An einer Universität schaut die Realität aber anders aus, denn es benötigen derzeit auch Studierende einen VPN-Zugang, um Online-Fachzeitschriften lesen zu können. „Im universitären Umfeld braucht es daher in vielen Dingen eine andere Herangehensweise. Die Herausforderungen, die Notwendigkeiten eines Lehr- und Forschungsbetriebs mit den gesetzlichen Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz unter einen Hut zu bringen, steigen.“ 

Artikel aus MED-INN 01/2021- B.Hof
Foto: Medizinische Universität Innsbruck / David Bullock