close_icon
BU: Immunfluoreszenzfärbung zur Darstellung der Aktivierung des NLRP3-Inflammasoms in der Mikroglia bei experimentellem Parkinsonismus. ©Labor für Neurodegenerationsforschung

NLRP3-Hemmer Dapansutril zeigt vielversprechendes Potenzial für die Therapie von Parkinson und MSA

Für die neurodegenerativen Erkrankungen Parkinson und Multisystematrophie (MSA) fehlen bislang krankheitsmodifizierende Therapien. Eine rezente präklinische Forschungsarbeit der Neurobiologin Nadia Stefanova zu den Effekten eines neuen entzündungshemmenden Wirkstoffs in krankheitsrelevanten Mikrogliazellen könnte nun den Weg zu einer effektiven Therapie ebnen. Die Durchführung einer klinischen Studie wurde damit bereits angeregt.

Die intrazelluläre Ansammlung von Alpha-Synuklein-Fibrillen und eine frühe und anhaltende Aktivierung der Mikrogliazellen – spezialisierten Immunzellen des Zentralnervensystems – sind gemeinsame Kennzeichen der zweithäufigsten neurodegenerativen Erkrankung Parkinson und der seltenen MSA. „Weil die Aktivierung des NLRP3-Inflammasoms – ein Proteinkomplex des angeborenen Immunsystems, der als Sensor für zellulären Stress fungiert und an Krankheiten wie Gicht, Atherosklerose und Diabetes beteiligt ist – auch in erkrankungsassoziierten reaktiven Mikrogliazellen in Parkinson und MSA zunehmend als zentraler pathogener Treiber erkannt wird, war ich auf der Suche nach einem entsprechenden Hemmstoff, der sich in der klinischen Entwicklung befindet. Dabei bin ich auf das Pharmaunternehmen Olatec Therapeutics und seinen NLRP3-inhibierenden Wirkstoff Dapansutril gestoßen“, erzählt die Direktorin der Abteilung für Neurobiologie Nadia Stefanova, die in dem von ihr geleiteten Labor für translationale Neurodegenerationsforschung an der Univ.-Klinik für Neurologie (Direktor Stefan Kiechl) seit vielen Jahren zu den grundlegenden molekularen Mechanismen forscht, die zur Identifizierung von Biomarkern und zur Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten von Morbus Parkinson und MSA beitragen sollen.

BU: Die Neurobiologin Nadia Stefanova leitet die Abteilung für Neurobiologie und das Labor für translationale Neurodegenerationsforschung an der Univ.-Klinik für Neurologie. ©MUI/D. Bullock

Gemeinsam mit dem US-Unternehmen Olatec und in Zusammenarbeit mit dessen wissenschaftlichem Berater Charles Dinarello sowie mit Unterstützung durch die Forschungsförderung der Michael J. Fox Foundation wurde schließlich erstmals eine Studie zur Wirksamkeit von Dapansutril in zwei bereits etablierten Mausmodellen für Parkinson und MSA durchgeführt. Das anerkannte Journal of Neuroinflammation berichtet darüber.
„Die orale Gabe von Dapansutril erfolgte, als bereits motorische Symptome sichtbar waren – ein entscheidender und wichtiger Zeitpunkt für den Beginn der Behandlung, der die klinische Praxis widerspiegelt, in der Patienten in die Klinik kommen und erstmals mit Parkinson oder MSA diagnostiziert werden. Die Dosierung wurde zudem so berechnet, dass sie für die Patient:innen sicher und anwendbar wäre“, betont Stefanova.
Mit ihrem Team konnte sie feststellen, dass sich mit der Substanz die motorischen Fähigkeiten der Tiere nach sechs Monaten verbesserten und im degenerierenden Gehirn einen neuroprotektiven Effekt auslöste. Mittels RNA-Sequenzierung der extrahierten Mikrogliazellen wurden zudem Transkriptomprofil erstellt. „Besonders bemerkenswert war die Beobachtung“, so Magdalena Matic, Doktorandin im TReND-PhD Programm und Ko-Erstautorin, „dass der Wirkstoff krankheitstypische Veränderungen in den Mikrogliazellen umkehrte und deren Aktivität normalisierte. Zudem zeigte sich im Plasma, dass der Entzündungsmarker IL-18 herunterreguliert und der Neurofilament-Light-Chain-(NfL)-Spiegel, ein Nervenzell-Schädigungsmarker, sank. Damit konnten wir auch die Eignung dieser Werte als mögliche Biomarker für die Wirksamkeit der Therapie untermauern.“
 
Dapansutril könnte somit eines der ersten Medikamente sein, das gezielt auf NLRP3 und den neuroinflammatorischen Prozess bei Parkinson und MSA ausgerichtet ist und den Weg für eine krankheitsmodifizierende Therapie ebnet. „Basierend auf unserer präklinischen Arbeit wurde nun bereits eine klinische Studie mit Parkinson-Patientinnen und -Patienten in Cambridge, Großbritannien, gestartet“, freut sich Stefanova.
 
(5. Mai 2026, Text: D. Heidegger, Bilder: Labor für Neurodegenerationsforschung/D. Bullock)
 
Links:

Luque, M., Matic, M., Heras-Garvin, A. et al. Clinically advanced NLRP3 inhibitor modulates microglial transcriptome and alleviates α-synuclein-induced progression of parkinsonism. J Neuroinflammation 23, 76 (2026).
https://doi.org/10.1186/s12974-026-03716-3


Nadia Stefanova
Univ.-Klinik für Neurologie
Abteilung Neurobiologie
Labor für translationale Neurodegenerationsforschung
TReND PhD Programm