Europäische Chirurg:innen einigten sich in Innsbruck auf Vorgehen bei Leberresektionen

Beim zweiten von drei geplanten Leberchirurgie-Kongressen in Innsbruck behandelten Expert:innen aus 14 Nationen Ende Fragen rund um das perioperative Management nach Leberresektionen. Dabei erzielten sie in Punkten eine Einigung. Als Innsbruck-Konsensus sind unter der Leitung von Manuel Maglione und Eva Maier von der Univ.-Klinik für Viszeral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie nun europäische Empfehlungen entstanden, die in den Fachjournalen BJS und HPB publiziert wurden.
Metastasen, Leberkarzinome und Bandwürmer gehören zu den vielfältigen Ursachen, warum Patient:innen ein Teil der Leber entfernt werden muss. Mediziner:innen an der Univ.-Klinik für Viszeral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie (Direktor: Stefan Schneeberger) in Innsbruck führen insgesamt 130 Leberresektionen im Jahr durch. Auf Initiative von Manuel Maglione, dem Leiter der Arbeitsgruppe für hepatobiliäre-pankreatische Chirurgie und seiner Stellvertreterin, Oberärztin Eva Maier ist mit Kolleg:innen aus insgesamt 14 Ländern in einem mehr als zweijährigen Prozess der so genannte Innsbruck-Konsensus entstanden, in dem sich die vorrangig europäischen Expert:innen auf bestimmte Vorgehensweisen, sowohl bei der Vorbereitung auf Leberresektionen, als auch bei der Behandlung von Komplikationen rund um Leberresektionen einigten. Das bedeutende chirurgische Fachjournal BJS und das HPB (Oxford) Journal veröffentlichten die Empfehlungen der European-African Hepato-Pancreatic-Biliary Association (E-AHPBA) und der European Society of Surgical Oncology (ESSO) zu Jahresbeginn.

Konsens bei sechs häufigen klinischen Fragestellungen
In mehreren Online-Meetings, Abstimmungsrunden (mittels Delphi-Methode) und bei einem Kongress, der Ende 2024 in Innsbruck stattfand, tauschten sich die Chirurg:innen, die in namhaften Zentren in ganz Europa aber z.B. auch in Südafrika oder in der USA tätig sind, aus. Bereits zuvor bildeten sie Arbeitsgruppen, in denen sie sich mit sechs klinisch relevanten Themenschwerpunkten auseinandersetzten. Darunter waren mit Antibiotikagabe, Thromboseprophylaxe und Prähabilitation Fragestellungen, die jede Resektion betreffen. Es wurden aber auch Komplikationen, wie der Umgang mit postoperativen Blutungen, mit Gallengangsleckagen und mit postoperativem Leberversagen diskutiert. „Was den Konsens betrifft, haben wir eine 70 Prozent-Grenze gehabt und wir haben zu allen Themen eine Einigung gefunden“, sagt Maglione.
Zwar handele es sich bei den behandelten Problemstellungen um häufige Fragen und schwerwiegende Komplikationen, dennoch sei die Datengrundlage dafür bisher dünn und das bisherige chirurgische Vorgehen großteils „eminence based“, wie Maier sagt. Es stütze sich also auf Erfahrungswerte, weil in vielen Ländern keine verpflichtenden Registerdaten erhoben werden, die wissenschaftlich ausgewertet werden könnten. Auch in Österreich nicht. „Länder wie Großbritannien und die Niederlande sind uns hier voraus. Mit Aktionen wie diesem Consensus Meeting möchten wir Wissenslücken schließen und der relativ kleinen europäischen Lebercommunity einen Anstoß zur Zusammenarbeit geben“, ergänzt Maglione.
Die Innsbrucker Chirurg:innen wurden mit den gewonnenen Empfehlungen in ihrem klinischen Handeln bestätigt – welches unter anderem durch die Infrastruktur der Universitätsmedizin und einem Gesundheitssystem auf hohem Niveau ermöglicht wird. Die Guidelines seien dennoch für alle unterstützend, geben Sicherheit und helfen bei der Entscheidungsfindung. „Die Innsbrucker Leberchirurgie ist durch die bereits zweite Konsensus-Initiative zu Sichtbarkeit gekommen“, sagt Maglione. Die hiesigen Expert:innen würden seither oft zur Teilnahme an multizentrischen Studie eingeladen.
Österreichisches Leberregister und interdisziplinäres Leberzentrum Innsbruck
Wenn auch nicht verpflichtend, so gibt es auf Betreiben von Eva Maier und Kolleg:innen der Austrian Association for Hepato-Pancreato-Biliary-Surgery (AAHPBS) in Österreich seit vier Jahren zumindest ein freiwilliges Leberregister. Mittlerweile enthält es 2800 Datensätze von Patient:innen, die der Forschung dienen. Um die Expertise zu Lebererkrankungen am Standort zu bündeln und den Patient:innen den Weg durch die Behandlung zu erleichtern wurde in Innsbruck ein interdisziplinäres Leberzentrum etabliert, welches derzeit modernisiert und weiter ausgebaut wird. „Von der Chirurgie über die Onkologie und Strahlentherapie bis zur interventionellen Radiologie und Transplantationschirurgie können wir hier in Innsbruck wirklich zentralisiert alles anbieten“, sagt Maier. Nach dem ersten Konsensus 2021, in dem es um die Abklärung von Lebererkrankungen ging und dem vorliegenden, in dem Therapie und Komplikationen besprochen wurden, planen die Leberchirurg:innen einen dritten Kongress, der 2027 stattfinden soll. Dann wird die Nachsorge diskutiert und damit das Behandlungskonzept abgerundet.
Forschungsarbeiten:
Maier E et al. The E-AHPBA—ESSO—Innsbruck consensus recommendations on peri- and postoperative management following liver resection, BJS, Volume 113, Issue 1, January 2026, znaf272, https://doi.org/10.1093/bjs/znaf272
Maier E et al. The E-AHPBA – ESSO – Innsbruck consensus recommendations on peri- and postoperative management following liver resection. HPB (Oxford). 2025 Nov 13:S1365-182X(25)01671-5, https://doi.org/10.1016/j.hpb.2025.10.008
(18. Juni 2026, Text: T. Mair, Bilder: Surger-I-nnsbruck)
Links:
Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie