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Prof. Ernst Brandl-Preis 2025 geht an Krebsforscher Stefan Salcher

v.l.: Klinikdirektor Dominik Wolf, Rektor Gert Mayer, Stefan Salcher, der Schwazer Bezirkshauptmann Michael Brandl, die Witwe des Stifters, Monika Brandl-Knapp und die Schwazer BMin Victoria Weber. (Foto: Stadt Schwaz.)

Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung am 1. Juni im Rathaus Schwaz wurde der junge Krebsforscher Stefan Salcher mit dem Wissenschaftspreis der Prof. Ernst Brandl-Stiftung ausgezeichnet. In seiner prämierten Forschungsarbeit analysierte Salcher in einem interdisziplinären Forschungsteam mittels modernster Methoden bestimmte langlebige Immunzellen. Er stellte fest, dass diese sogenannten Tumor-assoziierten Granulozyten das Krebswachstum fördern und mit einer schlechteren Prognose bei Darmkrebs verbunden sind.

Der Prof. Ernst Brandl-Preis 2025 wurde im Beisein von Bürgermeisterin Victoria Weber, Bezirkshauptmann Michael Brandl, der Witwe des Stifters, Monika Brandl-Knapp, Medizin Uni Innsbruck Rektor Gert Mayer, Laudator und Klinikdirektor Dominik Wolf und weiterer geladener Gäste an den sichtlich erfreuten Wissenschafter Stefan Salcher übergeben.

„Prof. Ernst Brandl war überzeugt, dass wissenschaftlicher Fortschritt immer dem Menschen dienen muss. Mit der Auszeichnung von Stefan Salcher ehren wir einen Forscher, der genau diesen Anspruch in besonderer Weise erfüllt. Seine Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis von Krebs und eröffnet neue Perspektiven in der Präzisionsmedizin. Damit steht seine Forschung ganz im Sinne jener Verantwortung gegenüber Mensch und Zukunft, die unseren Stifter geprägt hat,“ sagte der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums Bezirkshauptmann Michael Brandl, auch im Namen der Witwe Monika Brandl-Knapp.

Und Bürgermeisterin Victoria Weber ergänzte: „Seit 36 Jahren ist die Stadt Schwaz stolz darauf, Gastgeberin dieser Preisverleihung zu sein. Die Ehrentafel im Eingangsbereich des Rathauses erinnert an viele herausragende Persönlichkeiten von Wissenschafter:innen unserer Innsbrucker Universitäten, die hier ausgezeichnet wurden. Sie macht sichtbar, welchen hohen Stellenwert Forschung, Innovation und Verantwortung für unsere Stadt haben.“

Rektor Gert Mayer sowie auch Laudator Dominik Wolf betonten in ihren Grußworten die hohe Relevanz interdisziplinärer Forschung, die sich in der ausgezeichneten Forschungsarbeit von Stefan Salcher beispielgebend zeige.

Auch die Schwazer Bürgermeisterin Voctoria Weber und Monika Brandl-Knapp gratulierten dem Preisträger.
(Foto: Stadt Schwaz)

Onkologie trifft Transplantationsmedizin

Ex vivo modelling of human colorectal cancer liver metastasis by normothermic machine perfusion“ nennt sich die im hochrangigen Journal Molecular Cancer veröffentlichte Arbeit, in der es Stefan Salcher gemeinsam mit dem Onkologen Andreas Pircher und dem Transplantationschirurgen Rupert Oberhuber gelang, das Verhalten und die Dynamik von Tumorzellen außerhalb des Körpers, jedoch unter lebensnahen Bedingungen, zu studieren. Möglich wurde diese Analyse durch die Normotherme Maschinenperfusion (NMP), mit der ein Organ wie die Leber außerhalb des Körpers am Leben erhalten werden kann. Damit werden ideale Voraussetzungen geboten, um Zellpopulationen zu beobachten und das Verständnis über die Umgebungsbedingungen eines Tumors und die Mechanismen der Metastasierung (Bildung von Tochtergeschwülsten) zu erweitern. „Um die zelluläre Zusammensetzung des Tumors im durchbluteten Organ über die Zeit charakterisieren zu können, nutzten wir modernste Einzelzellanalyse-Technologien. So konnten wir die verschiedenen Zelltypen im Tumorgewebe nicht nur identifizieren, sondern auch lokalisieren und damit wichtige Hinweise gewinnen, um die komplexe Tumorbiologie abzubilden und für zukünftige Therapieforschung besser nutzen zu können“, betont Salcher, der nach seinem Studium der Biotechnologie an der Medizinischen Universität Innsbruck promovierte und seit 2024 eine Assistenz-Professur für Präzisionsonkologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin V innehat.

Salchers Forschungsschwerpunkte liegen in der umfassenden molekularen Charakterisierung der Tumormikroumgebung und der Interaktion von Tumorzellen mit Immunzellen. Sein besonderes Interesse gilt Zellen mit sehr niedrigem mRNA-Gehalt, insbesondere neutrophilen Granulozyten – einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen –, deren funktionelle Bedeutung in der Onkologie lange unterschätzt wurde. Mithilfe modernster Single-Cell- und Multi-Omics-Technologien identifiziert er neue Zellzustände, Signalwege und regulatorische Programme, die das Verhalten von Neutrophilen in Krebsentstehung, Progression und Therapieansprechen prägen. Die Erkenntnisse aus seiner translationalen Forschung will er für die Weiterentwicklung der Präzisionsonkologie nutzbar machen.

Prof. Ernst Brandl-Stiftung

Der mit 5.000 Euro dotierte Wissenschaftspreis der Prof. Ernst Brandl-Stiftung wird jährlich alternierend für Arbeiten aus dem Bereich der Medizinischen Universität Innsbruck sowie den Nachfolgefakultäten der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens Universität Innsbruck vergeben und besteht aus zwei Teilen: Der erste, wissenschaftliche Teil richtet sich vor allem an Arbeiten im Bereich der Life Sciences, die das Wohlergehen der Menschheit zum Ziel haben, einen umweltschonenden Umgang mit Ressourcen ermöglichen, die Ernährung für Menschen und Tiere sicherstellen oder die Lösung von Umweltproblemen beinhalten. Der zweite Teil des Preises wird gewöhnlich für soziale Einrichtungen vergeben. Die Stiftung geht zurück auf den 1997 verstorbenen Prof. Ernst Brandl, der im Jahre 1952 gemeinsam mit Dr. Hans Margreiter säurestabiles Penicillin entwickelt hat, dies erst ermöglichte die Verabreichung des Antibiotikums in Form von Tabletten oder Sirup.

(3.6.2026, Text: D. Heidegger, Bilder: Stadt Schwaz)

Links:

Ex vivo modelling of human colorectal cancer liver metastasis by normothermic machine perfusion
https://doi.org/10.1186/s12943-025-02430-7

Univ.-Klinik für Innere Medizin V (Hämatologie und Onkologie)