close_icon
Magda Benítez (l.) absolviert einen Teil ihres PhD als Gaststudentin am Institut für Virologie bei Direktorin Gisa Gerold (r.). (Foto: MUI/D. Bullock)

Eine Mexikanerin erforscht in Tirol das Dengue-Fieber

Magda Benítez widmet ihr Doktorat der Erforschung bestimmter Zellfaktoren, die bei der Vermehrung von Dengue-Viren im menschlichen Körper eine Rolle spielen könnten. Bei ihren Recherchen stieß die Mexikanerin auf Publikationen von Gisa Gerold am Institut für Virologie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Kurzerhand packte sie für drei Monate ihren Koffer und reiste für die Dengue-Forschung in die Alpen.

Es ist jetzt ungefähr Halbzeit für Magda Benítez. Die Doktorandin aus Mexiko City absolviert einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt am Institut für Virologie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Sie kam in die Alpen, um die Tropenkrankheit Dengue zu erforschen. Klingt kurios, Magda Benítez hat aber einen guten Grund: Bei ihren Recherchen ist sie auf Publikationen von Gisa Gerold gestoßen. Die Institutsdirektion befasst sich seit Jahren schwerpunktmäßig mit Viren, die von Stechmücken übertragen werden und sie hat in Zusammenhang mit der Tropenkrankheit Chikungunya bereits mit CD81 gearbeitet.

Dieses Protein interessiert Magda Benítez besonders. „Ich untersuche Zellfaktoren, die bei einer Infektion mit Dengue eine Rolle spielen könnten. Es gibt Berichte, dass Tetraspanine, zu denen die CD81-Proteine gehören, wichtig für die Virusreplikation in Mosquitozellen sind. Ich möchte mir das in humanen Leberzellen anschauen. In Mexiko habe ich schon gesehen, dass die CD81-Konzentration mit fortschreitender Infektion sinkt. Gisa Gerold hat eine Zelllinie, die gar kein CD81 exprimiert und eine andere, die übermäßig viel davon produziert. Ich möchte wissen, wie sich die Infektion verhält, wenn das Protein nicht vorhanden ist und wenn zu viel davon da ist und, ob das wichtig für die Vermehrung des Virus ist. Ich habe Gisa einfach ein E-Mail geschrieben“, erzählt Benítez. Innerhalb einer Woche war die Antwort aus Innsbruck da. Schnell wurden auch die Reisepläne gefasst. Die Organisation fiel dafür umso aufwändiger aus. Um finanzielle Unterstützung, Flüge, Krankenversicherung und ein WG-Zimmer in Innsbruck kümmerte sich Magda Benítez selber. Dabei kam es ihr sehr gelegen, dass das mexikanische Wissenschaftsministerium zur Studienbeihilfe noch jährlich Zuschüsse für Auslandsaufenthalte ausschreibt. „Ich hatte das Glück, dass ich mich für die Ausschreibungsperiode noch bewerben konnte. Es hat mich wirklich gewundert, wie einfach das war. Es ist in Mexiko leider oft so, dass man lange warten muss. Doch ich möchte alle zu einem Auslandsaufenthalt ermutigen. Es ist sehr bereichernd, andere Länder und Kulturen kennenzulernen, aber auch andere Arbeitsweisen und Methoden“, sagt sie. Es gefällt ihr hier in Tirol, das Team sei sehr unterstützend, die Leute freundlich, in der Stadt fühle sie sich sicher und die öffentlichen Verkehrsmittel seien pünktlich und effizient. Das Leben in Mexiko sei da schon hektischer und chaotischer. Viel Zeit, das Land zu erkunden, gibt sie sich aber nicht. Abgesehen von ein paar Tagesausflügen – in Seefeld war sie schon, München und ein Kurztrip in eine italienische Stadt stehen noch am Plan – ist nicht viel drin. Die Forschung hat Vorrang.

Magda Benítez genießt die Zeit in Innsbruck. Nach ihrem Doktorat, das sie am CINVESTAV in Mexiko City macht, würde sie als Postdoc gerne nach Europa zurückkehren. (Foto: MUI/D. Bullock)

„Ich bin noch immer beeindruckt, wie selbständig Magda alles organisiert hat und wie schnell sie sich auch bei uns im Labor zurechtgefunden hat. Es macht mir große Freude, so eine freundliche und fähige internationale Studentin am Institut zu haben. Magda hat eine tolle Arbeitsauffassung und ich bin mir sicher, dass sie eine glänzende Zukunft vor sich hat“, sagt Gisa Gerold begeistert über die Gaststudentin. Benítez, die am renommierten Instituto Politécnico Nacional (IPN) Biologie studiert hat, macht ihr PhD-Studium im Department für Infektiologie und molekulare Pathogenese am Centro de Investigación y Estudios Avanzados (CINVESTAV). Mikroorganismen und Molekularbiologie haben sie schon zu Beginn ihres Studiums begeistert, während des Masters interessierte sie sich immer mehr für Virologie, vor allem Dengue faszinierte sie. „Ich finde es sehr interessant, wie ein Virus gleichzeitig einen Menschen und einen Mosquito infizieren kann. Wie er zwischen diesen beiden, doch sehr unterschiedlichen Organismen übertragen wird und sich an die zwei Wirte anpassen muss“, sagt sie.

In Mexiko ist Dengue endemisch – die Fälle häufen sich jedes Jahr. Das Virus multipliziert sich im Körper, vor allem in der Leber, und breitet sich von dort aus. Es kann zu inneren Blutungen kommen, dem berüchtigten hämorrhagischen Dengue-Fieber, das mit Nasen- und Zahnfleischbluten anfängt und bis zum Tod führen kann. „Leider gibt es bisher noch kein spezifisches antivirales Medikament und es können nur die Symptome – das Fieber, die Kopf- und Gliederschmerzen – behandelt werden“, erklärt Magda Benítez. Hoffnung bringt eine Impfung, die allerdings erst Ende März in Mexiko zugelassen wurde. Das weitere Vorgehen, wer, wann und wo mit welchen Kosten geimpft wird, sei von den Behörden noch nicht festgelegt worden.

Magda Benítez hat in der Zwischenzeit in Innsbruck die Versuchsanordnung aufgebaut – mit Gisa Gerolds Zelllinien und Dengue-Viren, die sie von einem externen Institut erhalten hat. Sie bringt einen Genomabschnitt des Virus mit den Zellen zusammen und untersucht, ob und wie sich diese Virusschnipsel vermehren – abhängig davon, ob CD81 vorhanden ist oder nicht. In ihrer verbleibenden Zeit in Österreich hofft sie, viele Daten gewinnen zu können und auf aussagekräftige Ergebnisse. Damit könnte sie einen Teil des Doktorats hier beendigen. Ein Jahr hat sie bis zum Abschluss noch vor sich. Danach möchte sie weiterforschen, am liebsten als Postdoc in Europa. Sie könnte sich auch vorstellen, wieder nach Innsbruck zurückzukehren. Doch jetzt genießt sie erst einmal die letzten Tage hier in Tirol. „Die Zeit vergeht viel zu schnell hier, aber ich freue mich auch schon, meine Familie, meine Freunde und die Kolleg:innen am CINVESTAV wiederzusehen und auf das mexikanische Essen.“

(11. Mai 2026, Text: T. Mair, Fotos: MUI/D. Bullock)

Links:
Institut für Virologie
CINVESTAV