Anerkennung, Repräsentation und Information: Das Med Uni Innsbruck Postdoc Network

Gegründet im Herbst 2025 nimmt das Med Uni Innsbruck Postdoc Network Form an: Bei Community-Treffen und in drei Arbeitsgruppen sollen einerseits der Informationsaustausch gefördert werden, andererseits Themen wie Arbeitsbelastung, berufliche Sicherheit und Karriereplanung bearbeitet werden – mit Unterstützung der Med Uni Innsbruck. Die Postdocs Nico Wahl, Roos Voorn und Yousra El Ghaleb leiten die Arbeitsgruppen des Netzwerks.
Eine eigene Interessenvertretung für die Postdoktorand:innen der Medizinischen Universität Innsbruck: Das ist die Idee hinter dem Med Uni Innsbruck Postdoc Network. „Wir sind keine Studierenden, aber auch keine Professor:innen, wir sind irgendwie dazwischen und wollen, dass auch unsere Anliegen gesehen und gehört werden“, erklären die Postdocs Nico Wahl, Roos Voorn und Yousra El Ghaleb. Die Medizinische Universität Innsbruck will ihrerseits Forscher:innen in der frühen bis mittleren Karriere unterstützen, und so fiel bei der Postdoc Appreciation Week im Herbst 2025 der Startschuss für das Netzwerk. „In einem gemeinsamen, offenen Prozess haben wir zuerst grundsätzlich die Wünsche und Bedürfnisse der Postdocs an der Med Uni gesammelt, dann sind drei Arbeitsgruppen entstanden“, erklärt Verena Aignesberger aus der Personalabteilung (Leitung: Karin Obwexer-Specht). Sprecher:innen dieser drei Gruppen sind Nico Wahl (Institute for Neuroscience – Gemeinsame Einrichtung für Neurowissenschaften, Direktor: Georg Dechant), Roos Voorn und Yousra El Ghaleb (beide Institut für Physiologie, Direktorin: Michaela Kress). Mit Aignesberger haben die Postdocs eine direkte Ansprechpartnerin in der Personalabteilung und somit ein Bindeglied in die Verwaltung. Die vier betonen: „Wir haben dasselbe Ziel: Wir möchten die Med Uni Innsbruck zu einem besseren Arbeitsplatz für Wissenschafter:innen aller Karrierestufen machen.“
Der Begriff „Postdoc“ ist schwierig zu definieren. Im Rahmen des European Framework for Research Careers wird diese Gruppe als R2-Forscher:innen (Recognized Researchers) bezeichnet. Mehr als 250 Wissenschafter:innen sind an der Med Uni Innsbruck als „Universitätsassistent:in Postdoc“ oder „Senior Scientist Postdoc“ im medizinisch-theoretischen Bereich angestellt. Dazu kommen noch promovierte Ärzt:innen aus dem klinischen Bereich.
Hohe Arbeitsbelastung und Unsicherheit
„Die Tätigkeiten von Postdocs an der Med Uni sind natürlich sehr unterschiedlich, was uns eint, ist eine hohe Arbeitsbelastung“, berichtet Roos Voorn, die der Arbeitsgruppe Well-Being & Working Conditions vorsteht. „Ich arbeite zum Beispiel im Labor an Zellexperimenten, damit geht viel Analysearbeit am Computer einher. Außerdem bin ich in der Lehre, zum Beispiel im Physiologiepraktikum tätig. Dazu kommen administrative Aufgaben, das Einwerben von finanziellen Mitteln und das Verfassen von Papers. Zwischen Forschung und Lehre sowie der Arbeit in Projekten sind es für uns Postdocs viele Wochenstunden, oft bei gleichzeitiger Jobunsicherheit.“ So habe der Großteil befristete Arbeitsverträge. „Man muss es realistisch sehen: Nur ein geringer Prozentsatz der Personen mit PhD erreicht eine klassische Professur“, ergänzt Yousra El Ghaleb, die die Arbeitsgruppe Career Development leitet. „Dementsprechend müssen Postdocs über alternative Karrieremöglichkeiten Bescheid wissen, sowohl innerhalb der Universität als auch außerhalb, inklusive Umstieg in die Industrie.“
Das ist auch Patrizia Stoitzner, Vizerektorin für Forschung und Internationales der Med Uni Innsbruck, bewusst: „Wie auch im überarbeiteten Entwicklungsplan festgehalten, ist Nachwuchsförderung ein wichtigstes Thema des neuen Rektoratsteams. Wir hoffen, damit die besten Köpfe an der Med Uni Innsbruck zu halten“, so Stoitzner. „Auf alternative Karrieremöglichkeiten wird bei regelmäßigen Fortbildungen hingewiesen, diese ergeben sich im administrativen Bereich, etwa als Forschungsmanager:in im Forschungsservice oder Studienkoordination für klinische Studien, aber auch im Forschungsbereich als data steward und Datenmanager:in für Daten- und KI-basierte Forschung, ebenso als Core Facility Mitarbeiter:in“, zählt die Vizerektorin auf und ergänzt: „Mit dem MedLife Lab unterstützen wir Entrepreneurship hinsichtlich der Verwertung von Forschungsergebnissen, dazu wird es in Zukunft Technologie-Transfer-Mitarbeiter:innen brauchen, aber auch Karrieren außerhalb der Universitäten als Unternehmer:innen sind möglich.“
Vernetzung und Austausch
Informationen für die Postdocs gibt es im Intranet und in monatlichen offenen Treffen: „Bei diesen Coffee-Hours gibt es Tipps für den Start in Innsbruck und die Arbeit auf der Uni, auch mit Impulsvorträgen“, so Nico Wahl, Sprecher der Arbeitsgruppe Community & Networking. „So wollen wir Kontakte zwischen den Abteilungen erleichtern, den Austausch von Expertise fördern und eine Brücke zwischen klinischen und theoretischen Instituten spannen.“

Auch mit Postdoc Networks anderer Universitäten besteht bereits Austausch. „Bei der German Postdoc Network Conference in München haben wir gesehen, dass es überall um dieselben Themen geht: Arbeitsplatzsicherheit, Arbeitsbelastung, Karrierechancen… Wir stehen mit unseren Aktivitäten als Postdoc-Netzwerk ja noch am Anfang, die Vernetzung bestärkt uns, dass wir auf einem guten Weg sind,“ berichten Voorn, El Ghaleb und Wahl.
„Wir sind Forscher:innen, dementsprechend wollen wir auch im Rahmen des Postdoc-Netzwerks mit Fakten arbeiten“, erklären die drei Postdoc-Speaker:innen. „Wir möchten eine Umfrage zur Bestandsaufnahme der Arbeitssituation und Anliegen der Postdocs an der Med Uni Innsbruck durchführen und mit dieser Datengrundlage in den Arbeitsgruppen nach Lösungen suchen. Wenn wir als Gruppe auftreten, ist es leichter, sich Gehör zu verschaffen.“

Im September wird sich die Med Uni Innsbruck an der ersten österreichischen Edition der Postdoc Appreciation Week beteiligen, dazu ist unter anderem ein Postdoc Retreat geplant.
Einige Anliegen haben die Postdocs schon gesammelt: „Formulare für die Verwaltung und wichtige Dokumente sollten auch in Englisch vorliegen, weil die Postdoc-Community an der Med Uni Innsbruck international ist“, erzählen Roos Voorn und Yousra El Ghaleb. „Wir beide können einigermaßen Deutsch, aber um im Berufsalltag gut zurechtzukommen, braucht es sehr gute Sprachkenntnisse. Deshalb wären auch Deutschkurse am Arbeitsplatz ein großer Wunsch.“ Grundsätzlich geht es den dreien um Anerkennung der Arbeit von Postdocs, um eine Repräsentation innerhalb der Universität und um Informationsaustausch. „Zusammen sind wir stärker, können uns besser für unsere Anliegen einsetzen und gemeinsam mit der Uni für bessere Arbeitsbedingungen sorgen.“
Links:
Postdoc Network im Intranet der Med Uni Innsbruck
Postdocs im Rampenlicht – Start für neues Netzwerk
Postdoc Appreciation Week Austria
European Framework for Research Careers
(19.06.2026, Text: P. Volgger, Fotos: MUI/D. Bullock)