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Timon Adolph ist Professor für „Experimentelle Gastroenterologie“

Rektor Gert Mayer (li.) und Timon Adolph bei der Vertragsunterzeichnung. ©MUI/C. Simon

Rektor Gert Mayer hat Timon Adolph kürzlich zum Professor für „Experimentelle Gastroenterologie“ berufen. Der junge Arzt und Wissenschafter forscht bereits seit einigen Jahren erfolgreich zu jenen molekularen Mechanismen, die zu entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa führen.

Die Biologie des Menschen interessiert Timon Adolph seit er denken kann. Dass er schließlich in Innsbruck Medizin studierte, ist dem Zufall zu verdanken, dass ein EU-Gerichtshofurteil damals die einmalige Möglichkeit eröffnete, sich an der Medizinischen Universität Innsbruck für einen Studienplatz einschreiben zu können. „Das Timing war glücklich und die Entscheidung war goldrichtig“, sagt der heute 40-Jährige. Dass aus ihm ein erfolgreicher Forscher auf dem Gebiet der entzündlichen Darmerkrankungen werden würde, war spätestens seit seiner, im Labor von Arthur Kaser an der University of Cambridge verfassten und im hochrangigen Journal Nature publizierten PhD-Arbeit zu vermuten. Wieder zurück an der Medizinischen Universität Innsbruck hat er als Erst- oder korrespondierender Autor seither zahlreiche weitere Originalartikel in interdisziplinären Spitzenzeitschriften veröffentlicht, beispielsweise in Cell Metabolism und Nature Communications sowie in klinischen Fachzeitschriften wie Gastroenterology, Gut und dem Journal of Hepatology.

An der Medizinischen Universität Innsbruck absolvierte er auch seine klinische Ausbildung zum Gastroenterologen. „Ich sehe mich als clinician scientist, arbeite also gerne an der Gastroenterologischen Ambulanz und Endoskopie bei meinen Patientinnen und Patienten und diskutiere genauso gerne mit Forscherinnen und Forschern im Labor, wie man wissenschaftliche Fragen lösen kann. Die idealen Rahmenbedingungen dafür habe ich an der Univ.-Klinik für Innere Medizin I unter meinem Mentor Herbert Tilg gefunden“, zeigt sich Timon Adolph mehr als zufrieden über sein Arbeitsumfeld.

Westliche Ernährung im Fokus der Ursachenforschung

Mit seiner Forschungsarbeit will Timon Adolph dazu beitragen, neue therapeutische Strategien für die Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) entwickeln zu können. Die Inzidenz chronisch entzündlicher Darmerkrankungen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Rund 300 identifizierte genetische Varianten, welche das Risiko für die Entwicklung einer CED beeinflussen, können jedoch nur einen geringen Teil der Erkrankungen erklären. „Mein Team und ich forschen daran, potenzielle Auslöser dieser Erkrankung in der westlichen Ernährung zu identifizieren“, beschreibt Adolph das vorrangige Forschungsziel, das er seit 2022 auch mit der Unterstützung eines ERC Starting Grants verfolgt und dem er in den vergangenen Jahren bereits einen großen Schritt nähergekommen ist. So konnte er etwa zeigen, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3 und Omega-6 bei Mäusen eine Crohn-ähnliche Entzündung auslösen, dass Entzündungssignale von Darmepithelzellen gebildet und durch das anti-oxidative Enzym GPX4 (Glutathione Peroxidase 4) kontrolliert werden oder dass die Aktivität von GPX4 – das Enzym schützt Darmepithelzellen vor oxidativem Stress an Membranlipiden und verhindert so das Auslösen einer Entzündungsantwort – durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren gehemmt wird. Gemeinsam mit dem Team um Bioinformatiker Zlatko Trajanoski lüftete er außerdem das Geheimnis, wie unser Darm langkettige Fettsäuren überhaupt erkennen und Entzündung antreiben kann und in Zusammenarbeit mit dem Epidemiologen Peter Willeit gelang es, die Bedeutung der GPX4 Expression für den Verlauf von Morbus Crohn Erkrankungen zu klären.

So aktiv wie als Forschender ist Timon Adolph auch im Bereich der Lehre und Ausbildung: Er ist Mitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften, arbeitet im  MYCOS-Konsortium der Medizin Uni Innsbruck und ist Teil einer FWF-Forschungsgruppe. Zudem koordiniert er seit 2024 das PhD-Programm „Infektion, Immunität und Transplantation“. Neben der Betreuung von Doktorand:innen und Postdoktorand:innen sowie von Diplom- und Masterarbeiten in seinem Labor unterrichtet Adolph seit 2020 klinische Medizin in Seminaren, Praktika und Vorlesungen und hat außerdem ein Wahlfach zum Thema „Das menschliche Darmmikrobiom bei Gesundheit und Krankheit“ eingerichtet.

„In der Lehre ist mir die Vermittlung von Soft Skills besonders wichtig, etwa eine empathische und verständliche Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten. Medizinisches Fachwissen ist über diverse Medien leicht verfügbar – das Zwischenmenschliche nicht, das muss man erlernen“, betont Timon Adolph.

Auch wenn Ernährung und Darmbiologie die zentralen Themen seiner Arbeit als Forscher und Arzt sind, macht Timon Adolph aus seinem persönlichen Speiseplan kein Dogma. „Ich ernähre mich überwiegend pflanzenbasiert, ab und zu und vor allem im Urlaub dürfen Pizza und Tiramisu aber trotzdem nicht fehlen“, gesteht der zweifache Familienvater, der sich das abendliche Zubettbringen seiner Kinder trotz hoher Arbeitsintensität nur ungern nehmen lässt.

(29.07. 2026, Text: D. Heidegger, Bild: C. Simon)

Links:

Experte Timon Adolph
Univ.-Klinik für Innere Medizin I (Gastrologie, Hepatologie und Endokrinologie)