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ECN-Medaille in Gold für Reinhard Würzner

Beim 20th European Meeting on Complement in Human Disease wurde dem über 30 Jahre an der Medizinischen Universität Innsbruck tätigen Immunologen und Medizinischen Mikrobiologen Reinhard Würzner die Goldmedaille für sein Lebenswerk in der Komplementforschung verliehen. Damit wird auch sein Einsatz für die Fachgesellschaft European Complement Network (ECN) gewürdigt. 

Mikrobiologe Reinhard Würzner (Foto: MUI/D. Bullock)

Das ECN ist ein europäisches Netzwerk von Forschenden, die sich mit dem Komplementsystem, einem Teil des angeborenen Immunsystems, beschäftigen. Würzner war an seiner Gründung beteiligt und in den ersten Jahren Generalsekretär. In dieser Funktion wirkte er daran mit, einen zunächst losen Zusammenschluss von Wissenschafter:innen zu einem demokratisch gewählten und arbeitenden Netzwerk weiterzuentwickeln. 2015 wurde er erneut in das ECN-Board gewählt und direkt zum Präsidenten bestellt; seine Präsidentschaft dauerte von 2017 bis 2022.

Ein besonderes Anliegen war ihm die Förderung und internationale Vernetzung von Nachwuchsforschenden. Neben dem von ihm geleiteten FWF-Immunologie-PhD-Programm HOROS erhielt er als Sprecher das Marie-Skłodowska-Curie-European-Doctoral-Programme CORVOS, das ausschließlich auf die Komplementforschung ausgerichtet war. Dieses Programm förderte die Zusammenarbeit europäischer Komplementinstitute, da Studierende ihre Doktorarbeit an zwei Hochschulen durchführen mussten. Zudem schlug er für Studierende, die während ihres PhDs längere Zeit an einem anderen ausländischen Institut arbeiteten, ein “ECN mobility certificate” vor. Zur Finanzierung jener Auslandsaufenthalte vergibt das ECN jährlich einen ”ECN mobility grant”.

Wissenschaftlich arbeitete Würzner in Göttingen, Oxford, Cambridge und Innsbruck. Viele seiner fast 300 Publikationen thematisierten monoklonale Antikörper, im Labor hergestellte Moleküle, die gezielt an ein bestimmtes Merkmal (Antigen) auf z.B. Eiweißen wie jenen des terminalen Komplementsystems, einem Teil der Immunabwehr binden. Die wichtigste Erkenntnis von Würzners Arbeit ist die Charakterisierung von N19-8. Dabei handelt es sich um den weltweit ersten Antikörper, der die weitere Reaktion des menschlichen Komplementsystems vollständig hemmen konnte. Dieses Konzept wurde durch Alexion weiterentwickelt, was mit Eculizumab, Soliris®, zum weltweit teuersten Arzneimittel für Patient:innen avancierte.

Arbeiten mit Komplement und Toxin-bildenden E.coli Bakterien, EHEC, die Würzner als Direktor des Österreichischen EHEC-Referenzzentrums unternahm, führten zu der Erkenntnis, dass auch das Krankheitsbild des EHEC-induzierten hämolytisch urämischen Syndroms zu einem Teil Komplement-vermittelt ist. Würzner postulierte nachvollziehbar, dass ein Einsatz von Eculizumab bei diesem Krankheitsbild zur Reduzierung der Fälle mit letalem Ausgang beitragen könnte. Bei dem EHEC-Ausbruch in Norddeutschland 2011 wurde dieses Medikament bei über 400 Patient:innen zumeist erfolgreich angewendet.

Darüber hinaus ist Würzner maßgeblich für weitere bahnbrechende Erkenntnisse, die er mit anderen selbst hergestellten monoklonalen Antikörpern gewann, verantwortlich.

In Innsbruck studierte Würzner jene Mechanismen, mit denen Mikroorganismen dem Komplementsystem entgehen. Er veröffentlichte dazu schon um die Jahrtausendwende einen Übersichtsartikel und rezent gemeinsam mit  Studierenden anderer Universitäten einen weiteren Review. Zudem entwickelte er mit Kolleg:innen einen Test, welcher Fehlfunktionen des körpereigenen Abwehrsystems nachweisen kann und kommerziell erhältlich ist.

An der Medizin Uni Innsbruck war er in die Organisation der PhD-Doktoratsprogramme eingebunden und mehrere Jahre der Sprecher aller Programme. Wissenschaftlich setzte sich Würzner u.a. für andere Aspekte der Medizinischen Mykologie ein und gründete etwa die Österreichische Gesellschaft für Medizinische Mykologie (ÖGMM), der er mehrere Jahre als Gründungspräsident vorstand. Seine langjährige Mitarbeit in der Virus-Serologie machte ihn zum Mitglied des Corona-Befundungsteams, wo er durch Beiträge in den Medien die Tiroler Bevölkerung während der Corona-Pandemie aufklärte.

(Autor: red/S. Traugott; Fotohinweis: MUI/D. Bullock)