Division für Biochemische Pharmakologie


em. Univ.-Prof. Dr. med. univ. Hartmut Glossmann

HARTMUT GLOSSMANN war als Gründer des Institutes für Biochemische Pharmakologie Institutsvorstand von 1984 bis 2009.

Institut für Biochemische Pharmakologie
Peter Mayr-Straße 1
A-6020 Innsbruck, Austria

Tel: +43 512 9003 70400

mobil: +43 664 140 37 26
Fax: +43 512 9003 73400
e-mail: hartmut.glossmann@i-med.ac.at

   

H. Glossmann 1984

Die Zeit vor 1984: Hartmut Glossmann wurde 1940 in Kassel geboren und studierte Medizin in Giessen, wo er 1966 promovierte. Seine Doktorarbeit aus (man höre und staune!) ‚Biochemischer Pharmakologie’ wurde 1968 mit dem Preis der Universität Gießen für die beste Doktorarbeit bedacht. Auf diese frühe Zeit geht auch seine erste klinische Tätigkeit zurück, die er als Allgemeinmediziner in unterschiedlichen Landarztpraxen nahe Köln, in Herborn und in Hohen Vogelsberg absolvierte. Für 2 Jahre (1968 - 1970) wechselte Hartmut Glossmann in den Freistaat Bayern. Er arbeitete als Forschungsassistent am Max-Planck-Institut für Biochemie in München-Martinsried bei Prof. Butenand. Viele seiner frühen sehr biochemisch orientierten Arbeiten entstanden in dieser Zeit, als unterschiedlichste Gebiete mit unterschiedlichsten Methoden bearbeitet wurden. Nach den ‚Münchner Jahren’ trat er einen dreijährigen Forschungsaufenthalt in den U.S.A. an. Zwischen 1970-1973 war er Postdoc am NIH (Bethesda/MD, USA) bei D.M. Neville jr. und K.J. Catt. Viele seiner bis heute am besten zitierten Arbeiten wurden in diesen Jahren publiziert. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland erfolgte 1975 die Habilitation in dem Gesamtfach ‚Pharmakologie’, und im Jahr darauf die Ernennung zum C3 Professor am Rudolf-Buchheim Institut für Pharmakologie in Gießen. Im gleichen Jahr erwarb Hartmut Glossmann den Facharzttitel für Pharmakologie und Toxikologie, im Jahre 1984 zusätzlich den Facharzttitel für Klinische Pharmakologie.


H. Glossmann 2000



Die frühe ‚Innsbrucker’ Zeit (1984 - 1995): Nach der Ausschreibung einer pharmakologischen Professur durch die Medizinische Fakultät der Universität Innsbruck und langen Verhandlungen bis zur Rufannahme trat Hartmut Glossmann im März 1984 seinen Dienst an der damaligen Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck an. Zu dieser Zeit waren die späteren Räumlichkeiten des Instituts für Biochemische Pharmakologie noch im Umbau begriffen (der bis Sommer 1986 andauern sollte). Das Institut war auf mehrere Labors und Büroräume in der Schöpfstrasse (unter anderem auch Räume, die heute von der Sektion für Genetische Epidemiologie genützt werden) und der Fritz-Pregl Strasse verteilt. So befanden sich die Labors im Wesentlichen im 2., 5. und 7. Stock des Gebäudes Fritz- Pregl Strasse 3 sowie im 1. Stock des Gebäudes Schöpfstrasse 45. Assistenten der ‚ersten Stunde’ waren Holger Baumgartner (langjähriger Leiter der Geschäftsstelle der Ethikkommission) und Jörg Striessnig (heute Vorstand des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Leopold-Franzens Universität). Zwischen 1984 bis 1986 wurden weitere Assistentenstellen mit Gerald Zernig, Kurt Moosburger und Michael Schirmer besetzt. Mit Juli 1986 erfolgte dann die lange ersehnte Übersiedlung in die großzügig generalsanierten Räumlichkeiten der ‚Alten Chemie’ in der Peter-Mayr Strasse 1. 1987 wurde Hans-Günther Knaus Universitätsassistent, 1989 Manfred Grabner. Fabian Möbius begann seine Tätigkeit am Institut für Biochemische Pharmakologie im Jahre 1990 (zunächst als Dissertant), später als Universtätsassistent. Steffen Hering (heute Vorstand des Instituts für Pharmakologie an der Universität Wien) begann seine Tätigkeit im Jahre 1991. Einige Jahre danach konnte auch Bernhard Flucher nach einem 8-jährigen Aufenthalt am NIH zur Rückkehr nach Österreich an das Institut bewegt werden.

H. Glossmann auf der Dachterrasse des Institutsgebäudes, März 2009


Die spätere ‚Innsbrucker’ Zeit (1996 - 2009): Im Jahre 1996 gelang es Hartmut Glossmann nach langen Verhandlungen, eine weitere Professorenstelle an das Institut für Biochemische Pharmakologie zu holen. Auf diese Stelle wurde nach internationaler Ausschreibung Jörg Striessnig primo loco gereiht, der 1998 seinen Dienst antrat. Nach einem nicht angenommen Ruf an das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Naturwissenschaftlichen Fakultät Wien (Nachfolge Prof. Heistracher die dann, wie oben erwähnt, vom Zweitgereihten Steffen Hering angenommen wurde) wurde dann Jörg Striessnig im Jahre 2001 Vorstand des Pharmakologischen Instituts der Leopold-Franzens Universität Innsbruck. Auf die erneut im Jahre 2001 ausgeschriebene Professorenstelle wurde 2002 Hans-Günther Knaus berufen. Zwei Gastprofessuren von Hartmut Glossmann müssen besonders erwähnt werden: eine Gastprofessor (1989) für Pharmakologie und Zellphysiologie an der Universität Cincinnati, USA; eine weitere, sehr intensiv betriebene Gastprofessur war hauptsächlich Lehragenden gewidmet - zwischen 1999 und 2002 war er Gastprofessor an der Medizinischen Fakultät der Universität Padua (Italien). Gemeinsam mit mehreren Pharmakologen aus Padua entwickelte und förderte er ein Internationales Doktoratsstudium für Molekulare und Zelluläre Pharmakologie, das in weiterer Folge auch auf die Universität Freiburg im Breisgau (Deutschland) ausgedehnt wurde. Das wissenschaftliche Gesamtwerk: Hartmut Glossmann begann in den späten 70er Jahren bereits in Giessen, mittels einer damals noch in den Anfängen befindlichen Technik (‚Radioligandenbindungsstudien’) spannungsabhängige Kalziumkanäle aus unterschiedlichen Geweben zu charakterisieren. Ihm kamen damals gute Beziehungen zu verschiedenen forschenden Pharmaunternehmen (Bayer, Knoll, Goedecke) zugute. Diese Unternehmen synthetisierten unterschiedlichste Liganden in radioaktiver Form, die durch Hartmut Glossmann’s Arbeitsgruppe im Detail charakterisiert wurden. Weitere 4 ‚selbstsynthetisierte’ Liganden kamen in Innsbruck hinzu. Im Laufe der Jahre verbreiterte sich der wissenschaftliche Fokus des Instituts auf weitere Ionenkanäle, die Erregungs-Kontraktionskopplung des Skelettmuskels und ganz besonders wichtig für unser heutiges Department, den Lipidstoffwechsel. Mehreren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (u.a. Barbara Fitzky, Markus Hanner und Fabian Moebius) gelang es, unter Verwendung des als neuroprotektiv beschriebenen Liganden Emopamil, zwei bis dato unbekannte Proteine zu charakterisieren. Bei einem der beiden Proteine handelte es sich um ein zentrales Enzym der Cholesterolbiosynthese (einer Sterolisomerase). Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Utermann wurde dann auf molekularer Ebene des Smith-Laemmli-Opitz Syndrom aufgeklärt und beschrieben - ohne die vorherige Entdeckung wären die in weiterer Folge durchgeführten Untersuchungen nahezu unmöglich gewesen. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit hat sicher die Gründung des Departments für Medizinische Genetik, Molekulare und Klinische Pharmakologie maßgeblich herbeigeführt. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass unser gemeinsames Department auch in näherer Zukunft über ein gemeinsames Gebäude in der Peter-Mayr Strasse 1/1A verfügen wird. Um nun das wissenschaftliches Werk von Hartmut Glossmann in seiner ganzen Breite und Tiefe beurteilen zu können möge ein Blick in Pubmed oder das ISI Web of Science genügen: er hat zwischen 1965 und heute insgesamt 262 Arbeiten veröffentlicht (ISI Web of Science), die in ihrer Gesamtheit 7268-mal (Stand Dezember 2009) zitiert wurden. Mit dieser Zitationshäufigkeit liegt er nicht nur ganz vorne in Innsbruck, sondern schafft es sogar in das österreichische Spitzenfeld. Dieser wissenschaftlichen Exzellenz wurde mehrmals Rechnung getragen, 2 davon mögen erwähnt werden: im Jahre 2000 wurde das Institut für Biochemische Pharmakologie in einer vom Wissenschaftsministerium beauftragten und von einer internationalen Expertengruppe durchgeführten biometrischen Analyse von 170 untersuchten medizinischen Instituten und Kliniken in Österreich an die erste Stelle gereiht. Im Jahre 2003 wurde dieser Tatsache auch mit der Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse an Hartmut Glossmann Rechnung getragen.


Im Jahre 2003 wurde H. Glossmann das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse verliehen.
"Er hat wissenschaftliche Pionierarbeit auf dem Forschungsgebiet der spannungs-abhängigen Calciumkanäle der Plasmamembran geleistet [...] Auch das Smith-Lemli-Opitz-Syndrom wurde in seiner Arbeitsgruppe erstmalig molekular durch Klonierung des Gens aufgeklärt. Auf Initiative dieses so verdienstvollen Forschers und Hochschullehrers [...] wurde außerdem ein gemeinsames internationales Doktorat zwischen den Uni-versitäten Padua und Innsbruck errichtet. Dabei handelt es sich um das erste Programm in Österreich, das auf Grundlage der EU-Konferenz von Prag im Mai 2001 einen wichtigen Schritt zur Verwirklichung des Europäischen Hochschulraumes setzt" (Aus der offiziellen Pressemitteilung)

Bild links: H. Glossmann freut sich mit seinem Vorgänger em. o.Univ.-Prof. Heribert Konzett über die hohe Auszeichnung.

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Letzte Änderung: 25.2.2011, 13:21:51ximsTwitter LogoFacebook Logo