
Lärm ist ein noch immer unterschätzter Risikofaktor für die Gesundheit. Ein WHO-Bericht hat die Krankheitslast mit 1 bis 1,5 Millionen an verlorenen Lebensjahren in Gesundheit für Westeuropa beziffert. - Burden of disease from environmental noise - Quantification of healthy life years lost in Europe
Die Umgebungslärm-Richtlinie der EU soll diese Krankheitslast verringern. - Richtlinie 2002/49/EG [...] vom 25. Juni 2002 über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm
2012 muss die 2.Phase der Lärmkartenerstellung umgesetzt werden. Das betrifft heuer auch Innsbruck-Stadt. Die Lärmaktionspläne sollten bis 2013 unter Einbezug der Bevölkerung ausgearbeitet sein (Art. 7, Richtlinie 2002/49/EG). - Fristentabelle zur Umgebungslärm-Richtlinie
Österreich hat deutlich höhere Schwellenwerte für die Lärmaktionsplanung als der Durchschnitt der EU-Länder (EU-14) zur Umsetzung der Umgebungslärm-Richtlinie:
Schiene: AT 70dBA Lden / EU 60dBA Lden
Straße: AT 60dBA Lden / EU 58dBA Lden
Fluglärm: AT 65dBA Lden / EU 57dBA Lden
(Die Größe "Lden" ist im Anhang 1 der Richtlinie 2002/49/EG definiert - s. oben, L189, p 18 ff.)
Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass der Anteil Belästigter durch Lärm (21%) im oberen Drittel der EU-Länder liegt. - Broschüre "Wohlbefinden der Österreichischen Bevölkerung" des Landwirtschaftsministeriums.
Vor allem für Schienenlärm ist der Schwellenwert viel zu hoch angesetzt (70dBA Lden)
Prof. Lercher (Sektion für Sozialmedizin) hat im Rahmen der ALPNAP-Studie nachgewiesen, dass zwischen 60 und 70 dBA Lden die Einnahmewahrscheinlichkeit für Schlafmedikamente (Risikofaktor-bereinigt) bereits um 46% ansteigt. Paper in Noise & Health, 2010 (Noise Health 2010; 12: 110-119)
2011 wurde eine Review-Arbeit in Fachjournal "Noise & Health" über von der Sozialmedizin durchgeführte Studien aus dem Unterinntal und Wipptal veröffentlicht. Paper in Noise & Health, 2011 (Noise Health 2011; 13; 234-250)
Das Europäische Parlament hat eine Studie zur Reduktion von Bahnlärm veröffentlicht: Clausen et al.: Reducing Railway Noise Pollution (2012)
Zentrales Anliegen der Umgebungslärmrichtlinie ist der Schutz ruhiger Gebiete. Die European Environment Agency hat dazu einen Preis ausgeschrieben, den European Soundscape Award.
Lercher ist Section Editor "Lärm und Gesundheit" der 2011 erschienenen Encyclopedia of Environmental Health (Elsevier) und hat einen Handbuchartikel zu seinem Spezialgebiet "Kombinierte Umweltbelastungen" beigetragen - unsere Informationsseite zu "Lärm und Gesundheit" in der Encyclopedia of Environmental Health
Nach Beendigung des 7th Framework Project ENNAH (ENNAH) ist die Sozialmedizin derzeit im COST-Project "Soundscape of European Cities and Landscapes" engagiert (COST: Transport and Urban Development).
In diesem Zusammenhang werden weiterhin binaurale Messungen in Alpentälern durchgeführt (vgl. das Titelbild des news-Beitrags zum Tag gegen Lärm 2012 der Medizinischen Universität). Damit kann, unterstützt durch spezielle Techniken der Auswertung, die Lästigkeit von Geräuschen besser beurteilt werden.
2013 findet die Internoise in Innsbruck statt (siehe unten).
Österreichisches Umweltbundesamt
Deutsche Gesellschaft für Akustik
Cercle Bruit Schweiz
Die WHO zum Thema Lärm
internoise 2013: Konferenz in Innsbruck
News-Beitrag der Medizinischen Universität zum Tag gegen Lärm 2012
Motorradlärm am Hahntennjoch (mehrere Publikationen)
WHO: Burden of disease from environmental noise: Quantification of healthy life years lost in Europe
Schienenlärm und Schlaf / Train noise and sleep
Tag gegen den Lärm 2009: AUVA / HSS / Sozialmedizin
Johannes Werner
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E-Mail: johannes.werner@i-med.ac.at
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