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Diabetesambulanz
Diabetes mellitus im Kindesalter
Stand der Information 10.05.2001
© E.Steichen/ S.Hofer
Auch kleine Kinder bekommen Diabetes
Österreich befindet sich in einer Zone mit mittlerer Diabeteshäufigkeit. Jährlich erkranken in Tirol ca 20 Kinder zwischen 1und 18 Jahren , das entspricht einer Häufigkeit von 8/100.000 Einwohner.
Warum müssen Kinder immer spritzen?
Der insulinabhängige Diabetes oder Typ 1-Diabetes tritt fast auschließlich bei Kindern und jungen Erwachsenen auf.
Menschen, die jenseits des 40 Lebensjahres an Diabetes erkranken leiden meist an einem Typ 2 (= insulinunabhäniger) Diabetes.
In den letzten 10 Jahren steigt die Anzahl der neu erkrankten Kinder in den westlichen Ländern, das Erkrankungsalter sinkt, d.h. immer mehr Kinder im Kleinkindes- und Vorschulalter sind betroffen.
Die Ursachen des insulinabhängigen Diabetes sind vielfältig und im Einzelfall kaum zu klären. Unbestritten ist, daß in der Diabetes-Entstehung Störungen im Immunsystem entscheidend sind. Durch einen unspezifischen Auslöser (Umweltfaktor, Virus) verliert das Abwehrsystem die Fähigkeit insulinproduzierende Zellen (b-Zellen) in der Bauchspeicheldrüse als körpereigen zu erkennen und richtet Antikörper gegen diese Zellen, was zu einer fortschreitenden Entzündung dieses Organs und schließlich zu einer Zerstörung der insulinbildenden Zellen führt. Die Insulinproduktion wird zunehmend reduziert und schließlich vollkommen eingestellt. Diese Antikörper können Monate bis Jahre vor dem Ausbruch der Erkrankung nachgewiesen werden. Wird der Diabetes diagnostiziert sind bereits 90% der ß-Zellen zerstört. Wirksame schützende Maßnahmen sind noch nicht entwickelt worden, doch ist für die Zukunft zu hoffen, daß ein besseres Verständnis auch zu effektiven Maßnahmen führen wird (z.B. Diabetes Impfung).
Ähnlich wie bei anderen komplexen und multifaktioriellen Erkrankungen (z.B. Arteriosklerose) werden in großen Studien verschiedene Auslöser und Risikofaktoren diskutiert.
Impfungen, die immer wieder verantwortlich gemacht werden, konnten in mehreren Studien als Risikofaktor ausgeschlossen werden. Andere Risikofaktoren sind noch nicht exakt definiert und insgesamt schwach wirksam.
Virusinfektionen in bestimmten Lebensphasen können Diabetes verursachen.
Nur 5% der Kinder haben Verwandte mit Diabetes und sind eindeutig erblich belastet.
Die Frage ob ein einzelnes Ereignis als Trigger ausreichend ist, oder ob mehrere Ereignisse eintreffen müssen um die Erkrankung auszulösen, bleibt eine offene Frage.
Letztlich müssen Umweltfaktoren und immunologische Mechanismen auf der Basis einer komplexen Genetik zusammenwirken um einen Typ 1 Diabetes zum Ausbruch zu bringen.
Kann man sein Kind vor Diabetes schützen?
Leider gibt es auch hier keine eindeutige Antwort. Stillen kann aber empfohlen werden.
Die Ernährung spielt eine untergeordnete Rolle.
Die Ansicht, daß nur dicke Kinder Diabetes bekommen ist falsch.
Wann muß man bei einem kleinen Kind an Diabetes denken?
- Vermehrter Durst
- Häufiges Harnlassen;nächtliches Einnässen bei einem Kind, das bereits trocken war; bei Kleinkindern übernasse Windel
- Hartnäckige Pilzinfektionen im Windelbereich
- Gewichtsverlust · Müdigkeit, Leistungsknick · Wesensveränderung
- ev.Bauchschmerzen und Erbrechen (kann als Bauchgrippe fehlgedeutet werden)
Die Diagnose kann mit einem Blutstropfen aus dem Finger und einer Harnuntersuchung gestellt werden.
Bei kleinen Kindern wird der Diabetes oft sehr spät bemerkt, da die ersten Anzeichen der Erkrankung nicht richtig eingeschätzt werden.
Eine Klinikaufnahme ist erforderlich um wieder ein Stoffwechselgleichgewicht zu erreichen.
Die Universitätsklinik für Kinder-und Jugendheilkunde bietet die Einstellung auf eine Insulintherapie (alle Formen der Insulintherapie und Insulinpumpentherapie), Individualschulungen und Gruppenschulungen an.
Das Diabetesteam, bestehend aus Ärzten, Diätassistenten, Diabetesschwestern, Sozialarbeitern und Pyschologen betreut das Kind und dessen Eltern stationär und ambulant.
Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die zeitlebens bestehen bleibt und in jedem Lebensalter beginnen kann, selten jedoch vor dem 1. Lebensjahr.
Eine Insulintherapie kann die Stoffwechselsituation wieder weitgehend normalisieren, doch ist ein hohes Maß an Disziplin und Betreuungsaufwand durch die Eltern und eine enge Kooperation mit ärztlichen und nicht ärztlichen Diabetesberatern erforderlich.
Der Diabetes begleitet alle Entwicklungsphasen des Kindes und erfordert eine ständige Neuanpassung.
Die Insulintherapie sollte individuell an die Bedürfnisse des Kindes und der Eltern angepaßt werden. Dieser Herausforderung müssen sich die betreuuenden Personen stellen, da unbestritten ist, daß eine gute Stoffwechselkontrolle das Risiko für chronische Spätkomplikationen senkt.
Gefährdete Organe sind die Augen, die Nieren, die Nerven und das Herz-Kreislauf- System.
Ein angestrebtes Ziel durch eine intensive Therapie und Betreuung ist es, diabetische Folgeerkrankungen nicht nur hinauszuschieben sondern zu vermeiden und jedem Diabetiker und seinen Eltern eine altersentsprechende Betreuung und Beratung anzubieten.
Dafür müssen wir in Hinkunft noch bessere Betreuungs-Strukturen schaffen in Hinblick auf Erziehungsberatung und die psychosoziale Begleitung. Die Entwicklung einer sozialen Kompetenz ist neben der Patientenschulung ein wichtiger Faktor für eine gute Stoffwechseleinstellung.
In den letzten Jahren konnte durch eine intensivere und physiologischere Insulintherapie die Diät gelockert werden.
Zucker ist erlaubt, wobei allerdings die komplexen Kohlenhydrate bevorzugt werden sollen.
Die Industrie hat durch die Entwicklung von kleinen und handlichen Blutzuckermeßgeräten, welche nur kleine Blutmengen zur Blutzuckerbestimmung brauchen, die Möglichkeiten zur Selbstkontrolle und Therapiesteuerung verbessert.
Wir sind in Hinblick auf die Therapiemöglichkeiten an einer Plateauphase angelangt, sodaß begleitende Maßnahmen zur Verbesserung des psychosozialen Umfeldes in Zukunft noch bedeutender werden um den Kindern ein nahezu normales Leben zu ermöglichen.
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