Department für Anatomie, Histologie und Embryologie Das Anatomische Museum in InnsbruckInhaltsverzeichnisAusgestellt sind Humanpräparate und zahlreiche Skelette, u.a. des Burgriesen Nikolaus Haidl; eine Schädelsammlung mit mehr als tausend Präparaten. Im Abschnitt der vergleichenden Anatomie sind zahlreiche Feuchtpräparate und Skelette von Wirbeltieren zu sehen. EinleitungVorläufer des heutigen Museums gehen bis auf die Gründung der Lehrkanzel im Jahre 1689 zurück. Es war und ist für jeden Vorstand und die Mitglieder des Institutes eine Ehrensache durch die Zuführung neuer Präparate das Museum zu erweitern und so gehört heute das Anatomische Museum Innsbruck wohl zu jenen, die wertvolle und seltene Schaustücke besitzen, die dazu geführt haben, daß es im Kunstführer von Knaur aufscheint. Das Museum des Anatomischen Institutes umfaßt heute mehr als 5000 Exponate. Dieses Material wurde speziell in den vergangenen 100 Jahren zusammengetragen, wobei besonders drei Vorstände der Lehrkanzlei sich große Verdienste darum erworben haben. Es waren dies Karl Dantscher, der erste Inhaber der 1869 wiedergegründeten Lehrkanzel für Anatomie und "Vater" der 3. Medizinischen Fakultät in Innsbruck (1869), Ferdinand Hochstetter, der als Vorstand von 1896 bis 1908 wirkte und Felix Sieglbauer, der von 1918 bis 1946 das Institut leitete. Wenn diese drei Vorstände hier besonders hervorgehoben werden, so deshalb weil es gerade ihnen gelungen ist, die wertvollsten Objekte des Museums zu beschaffen. Das MuseumUm die große Zahl von Präparaten zu zeigen, war es allerdings notwendig, eine völlige Neuorganisation des Museums vorzunehmen. Umfangreiche bauliche Maßnahmen ermöglichten diese Neuorientierung. In den Jahren 1975 und 1976 wurde unter der Leitung der Abteilung für Bundeshochbau der Landesbaudirektion durch Aufstockung auf den Präpariersaal Mitte das Museum, das kleinere Seitenräume aus anderen Gründen verloren hatte, um einen wesentlichen Bereich erweitert. Karl Dantscher hat eine Reihe hervorragender Präparate geschaffen, darunter auch die ersten Gefäß-Injektionspräparate von Organen, die in Innsbruck angefertigt wurden. Das besondere Verdienst Karl Dantschers um das Museum liegt aber in der Erwerbung des Skelettes des Burgriesen Haidl, welches das wertvollste kulturgeschichtliche Exponat des Museums darstellt. Um dieses wohl einmalige Exponat gruppieren sich nun eine Reihe Injektionspräparate des Gefäßsystems von Ferdinand Hochstetter. Bei diesen Präparaten handelt es sich zum Teil um luftgetrocknete Präparate ganzer Körperregionen und um eines, das die parietalen Gefäße an einem getrockneten Muskelpräparat eines ganzen Menschen zeigt. Felix Sieglbauer vergrößerte insbesondere die Schädelsammlung und ihm verdankt das Institut auch eine große Zahl vergleichend anatomischer Skelette und Feuchtpräparate. Besonders reichhaltig ist die Skelettsammlung von Primaten und Vögeln. Schließlich erwarb Sieglbauer noch ein weibliches Skelett aus der Frühgeschichte Tirols und zwar handelt es sich dabei um das Skelett aus einem Viller Reihengrab aus der La-Tene-Kultur der Illyrer. Die wertvolle Schädelsammlung geht insbesondere auf Hochstetter, Holl und Sieglbauer zurück und wurde durch Gustav Sauser maßgeblich erweitert, wobei insbesondere schön bemalte Schädel aus den Ossuarien von Hallstatt, Pürgg, Ebbs, Galtür und dem Ötztal aufgenommen wurden. Auch diese Schädel sind kunsthistorisch von großem Interesse. Die Schädelsammlung besteht derzeit aus rund 900 Präparaten. Gliederung des MuseumsVersucht man das Museum in einzelne Abschnitte zu gliedern, so ergibt sich nach einer Neuordnung, daß fünf Gruppen zu unterscheiden sind.
BesuchsmöglichkeitenDieses sehr umfangreiche anatomische Museum steht nicht nur Studenten zur Verfügung, sondern ist auch für Schulklassen und den allgemeinen Besuch geöffnet. Um ein besseres Verständnis für fachfremde Personen zu bieten, werden Skelette und Präparate der verschiedenen Tiere und Aquarelle aus der künstlerischen Hand des akademischen Malers Franz Batke ergänzt. Öffnungszeiten:
Der Burgriese HaidlDas Skelett des Burgriesen Haidl, der zwischen 1491 und 1494 starb, ist wahrscheinlich das älteste historisch belegte Skelett, das derzeit bekannt ist. Die Größe des Burgriesen wird mit 2,22 m angegeben, geschichtlich ist bekannt, daß es sich um einen Türhüter Siegmund des Münzreichen gehandelt hat. Das Haus Haidls existiert noch heute in der Hofgasse in Innsbruck. Das Skelett dieses, beim Innsbrucker Hof sehr geschätzten Nikolaus Haidl, wurde 1866 in der St. Jakobs-Pfarrkirche gefunden. Carl Langer hat schon im vergangenen Jahrhundert die Ansicht vertreten, daß es sich um einen eunuchoiden Riesenwuchs gehandelt hat und es ist auch historisch nachgewiesen, daß Haidl keine direkten Nachkommen hatte. Trotz des angegebenen Alters von 35 bis 40 Jahren findet man noch Reste von Epiphysenfugen. Zusammenfassung:Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das anatomische Museum damit einen echten Beitrag für die Vertiefung der Allgemeinbildung leisten kann. W. Platzer und H. Mailänder | |