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von R. Putz (1979) und W. Platzer
Die Geschichte und derzeitige Situation des Leichenkellers des Institutes.
Die ursprüngliche Ausstattung des Leichenkellers war sehr uneinheitlich und einfach.
Es standen 4 Räume zur Verfügung, in denen eine größere Anzahl unterschiedlich gebauter Bottiche ihre Standorte hatten. Neben neueren Terazzobottichen, Betontrögen sowie armierten kleineren Plastikbehältnissen, fanden sich noch Holzbottiche, die offensichtlich aus der Gründerzeit des Hauses stammten. Diese Holzbottiche waren innen mit Zinkblech ausgeschlagen. Daneben existierten zwei dickwandige Marmorbecken, welche vornehmlich zum Wässern von Präparaten Verwendung fanden. Die Bottiche waren großteils ohne Abflüsse, die wenigen, die vorhanden waren, waren im Laufe der Jahre korrodiert und nicht mehr funktionsfähig.
Zum Zwecke der Injektion stand eine einfache aufziehbare Anlage zur Verfügung, die zwar nicht schlecht funktionierte, allerdings den Nachteil hatte daß sie sehr viel Platz einnahm. Die Mazeration war mit zwei großen Mazerationsbottichen bestückt, die von der Konstruktion her an sich durchaus ausreichend, aber vom Zahn der Zeit ebenfalls schon so stark angenagt waren, daß z.T. die Isolierung der elektrischen Beheizung zerstört war. Daneben befand sich für die Entfettung der Knochen ein "Shoxlett-Apparat", für den das gleiche festzustellen ist. Von der Konstruktion her ein durchaus akzeptables Gerät wahlweise mit Benzin oder Tetrachlorkohlenstoff zu betreiben - aber schon so korrodiert, daß sich das Kühlwasser mit dem Extraktionsgemisch verband. Im ganzen Leichenkeller bestanden 3 Wasserauslässe!
Das Kanalsystem war im Vergleich zum umliegenden Straßenniveau zu tief angelegt, wodurch es bei größeren Regenfällen zu einer Überschwemmung in den Kellerräumlichkeiten kam.
Der Zugang zum alten Leichenkeller führte von der Südseite des Hauses her über eine steile Rampe durch zwei schmale Türen. Die Särge mußten sehr weit getragen werden, was immer wieder zu Schwierigkeiten mit den Bestattern und dem Personal führte. Gegen die üblichen Kellerräumlichkeiten wie Kellergang etc. war der sogenannte große Leichenkeller nur durch ein Holzgitter abgeteilt. Dementsprechend groß war die Geruchsbelästigung in den Kellerräumlichkeiten, unter der auch die im angrenzenden Bereich wohnenden Hausmeister zu leiden hatten.
Bis zum Jahre 1968 wurde eine reine Formalinkonservierung verwendet. Die Leichen wurden nach der (intravasalen) Fixierung in die Bottiche einfach eingelegt und mit Holzstangen unter dem Flüssigkeitsspiegel gehalten. Da das Wechseln der Konservierungsflüssigkeit eine außerordentlich aufwendige Prozedur war - die Flüssigkeit mußte z.T. mit Eimern ausgeschöpft werden - wurde sie nur selten gewechselt, was sich auf die Qualität der Präparate auswirkte. Ein besonderes Problem stellte, wie sich denken läßt, die Entnahme der Präparate aus den Trögen dar.
Schließlich machte uns nach wenigen Jahren die Raumnot des Leichenkellers außerordentlich zu schaffen. Auch wenn wir relativ viele Tröge zur Verfügung hatten, so reichten sie dennoch nicht aus.
Seit dem Jahre 1972 begannen wir in verschiedenen Stufen mit Vorarbeiten für eine Neugliederung unseres Kellers und des Leichenaufbewahrungssystems. Als erstes stellten wir eine größere Versuchsreihe an, um neue Verfahren für eine günstigere Leichenfixierung sowie Konservierung zu gewinnen. Die Frage der geeigneten Fixierung menschlicher Leichen ist eine der am besten untersuchten methodischen Fragen unseres Faches. Trotz intensiven Studiums der Literatur sowie einer Reihe von Versuchen mit ausgefallenen Fixationsmitteln kamen wir in der Frage der Fixationsflüssigkeit zu keinen grundlegend neuen Vorschlägen, obwohl aber zu Kompromissen, die dann über Jahre hinaus praktikabel erschienen. Wie schon erwähnt wurde bis zum Jahre 1968 eine reine Formalinkonservierung verwendet.
Von 1968 bis 1974 fixierten wir das Leichenmaterial, - abgesehen von verschiedenen Versuchen - mit reinen Karbollösungen. Auch diese Vorgangsweise befriedigte uns nicht (siehe auch Putz R., Poisel S., Tiefenbrunner F., 1974, Probleme mit Konservierungsflüssigkeiten im anatomischen Präparierbetrieb. 1. Mitteilung. Acta Anat. 90, 394-402 sowie Platzer W., Putz R., Poisel S., 1978, Ein neues Konservierungs- und Aufbewahrungssystem für anatomisches Material. Acta Anat. 102, 60-67). Aus den Vorversuchen entwickelten wir folgendes Verfahren, das nur ganz kurz dargestellt werden soll.
Die Präparate werden mit einem Karbolformalingemisch injiziert und in Bottiche eingelegt, in denen sich eine Karbollösung befindet. Nach ca. 2-3 monatigem Aufenthalt in dieser Lösung werden die Ganz- und Teilpräparate in Plastiksäcke eingeschweißt, wobei darauf geachtet werden muß, daß die Luft vollständig evakuiert wird. Damit sind die Präparate auf Stellagen lagerbar.
Weiters konnten wir damit die Kapazität unseres gesamten Kellers auf ca. das Doppelte steigern sowie die Übersichtlichkeit und den Zugriff weitaus verbessern. Diese Verbereitungs- und Planungsphase dauerte ca. 2 ½ Jahre.
Darauf begann das Stadium der konkreten Planung, wobei uns vor allem das Gerätewerk Matrei in außerordentlich intensiver Weise unterstützte. Es gelang auf Grundlage dieser Zusammenarbeit die Raummaße des ursprünglichen Leichenkellers mit außerordentlich geringfügigen baulichen Veränderungen beizubehalten und unsere Kapazität auf über das doppelte zu steigern. Unser gesamtes System ist nun darauf abgestellt, daß es im Notfall von einem Mann allein betrieben werden kann. Dazu sind verschiedene Krananlagen angeschafft worden, die Stellagen des Stappelraumes sind mit Teleskopauszügen versehen etc. Selbstverständlich sind alle Bottiche direkt an ein entsprechendes Entsorgungssystem angeschlossen, sodaß der Wechsel der Flüssigkeit ohne große Probleme und ohne Umweltbelastung vor sich gehen kann (damit im Zusammenhang steht auch die völlig neue Konstruktion der Abwasseranlagen des gesamten Hauses). Außerdem wurden eine Kühl- und eine Tiefkühlzelle eingebaut, die 1991 - 1993 bis zum Einbau eigener Frostzellen auch zur konservierenden Aufbewahrung des Mannes vom Hauslabjoch dienten.
In einem eigenen anschließenden Raum wurde eine moderne Mazerationsanlage eingebaut. Ebenso war es notwendig eine, allen Gegebenheiten Rechnung tragende, Entfettungsanlage in einem entsprechend geschützen Raum einzurichten. Dafür wurden die notwendigen Abscheideeinrichtungen eingebaut. Diese sind heute, 1994, zwar eine Sebstverständlichkeit, waren aber beim Bau 1974-1975 noch eine Ausnahme.