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Die anatomische Lehrkanzel zählt nicht nur zu den ältesten Lehrkanzeln der Medizinischen Fakultät, sondern ist auch die Älteste innerhalb Österreichs. Sie wurde als dritte nach den Lehrkanzeln "Medizinische Institutionen" und "Medizinische Praxis", mit der Berufung Theodor Friedrich Statlenders am 2. Mai 1689 begründet.
Statlender übte sein Lehramt bis 1716 aus und war fünfmal Rektor. In der Gliederung menschlicher Körper war er ungemein eifrig "(de Luca, 1782)".
Von 1716 bis 1730 hatte Franz Karl Anton von Egloff zu Stadthof das Lehramt für Anatomie inne. Er war dreimal Rektor. Anatomische Arbeiten: u.a. "Anthropologia anatomica", "De corpore humano".
1730 bis 1737 war Johann Baptist Rindler Lehrstuhlinhaber. Er wechselte 1737 zur Botanik und gilt in diesem Fach als erster Lehrer der Universität. Aus seiner anatomischen Zeit stammt u.a. "De medicinae dogmaticae praestantia".
Ihm folgte Hieronymus Bacchetoni (1737 - 1749), der ab 1733 auch Professor für Chirurgie war, ein Fach, das ab diesem Zeitpunkt als vierte medizische Lehrkanzel und auch als erste in Österreich geschaffen worden war. Von ihm stammt eines der ersten österreichischen Lehrbücher der Anatomie: "Anatomia", erschienen 1740 im Verlag Johann Jakob Cremer, Nürnberg.
Franz Caspar Benedikt von Egloff zu Stadthof übte 1750 bis 1780 neben dem Lehramt für Chirurgie das der Anatomie aus. Er war zusätzlich mit einem Lehrauftrag für Studenten und Hebammen ausgestattet und gilt als erster Lehrer der Hebammenkunst in Innsbruck.
Aloys Paul Trabucco wirkte von 1780 bis 1782. Er wurde bei der Umwandlung der Medizinischen Fakultät in ein Lyzeum (1782) mit Jahresgehalt entlassen.
Der Anatomieunterricht im zweijährigen Wundärztekurs wurde zunächst vom Chirurgen Joseph Rottruf gehalten (1782 bis 1786) bis ihm als Assistent Andreas Miller beigegeben wurde, welcher "zugleich das Lehrfach für Anatomie" zu besorgen hatte. Ihm folgte bis 1800 Josef Biller. Josef Theodor Albaneder (1801 bis 1810) und (1816 bis 1843) sowie Karl Edler von Patruban (1843 bis 1846) hielten in der Zeit des zweiten Lyzeums (1816 bis 1869) den Anatomieunterricht.
Noch in der Zeit des medizinisch-chirurgischen Studiums übernahm Karl Dantscher, Ritter von Kollesberg (1846 bis 1882), vor der Wiedererrichtung der Medizinischen Fakultät (1869), die Anatomielehrkanzel. Dantscher, ein Studienkollege Hyrtls, war ein glänzender Lehrer, baute eine umfangreiche anatomische Sammlung auf und widmete sich besonders der Korrosionsanatomie. Von seinem Können zeugen noch heute eine Reihe hervorragender Präparate. Als Wortführer des Professorenkollegiums machte er sich um die Wiedererrichtung der Fakultät verdient und gilt zurecht als Vater der Fakultät, deren Dekan er 1869 auch wurde.
1882 wurde Moritz Holl berufen. Er bermühte sich erfolgreich um den Neubau eines Institutes, da die Räume im alten Universitätsgebäude zu klein waren und den Anforderungen nicht mehr entsprachen.
Die Eröffnung des heutigen Gebäudes in der Müllerstraße. am 12. November 1889 fiel allerdings bereits in die Amtszeit seines Nachfolgers, da Holl kurz zuvor einem Ruf nach Graz gefolgt war. Holl schuf in seiner Innsbrucker Zeit eine neue Präparatesammlung. Sein reiches wissenschaftliches Werk vermehrte er in Innsbruck durch sein Buch "Operationen an der Leiche" und durch Untersuchungen des reichlich vorhandenen Schädelmaterials.
Als Nachfolger Holls kam 1889 Wilhelm Roux aus Breslau. Er betätigte sich vor allem auf dem Gebiet der Entwicklungsmechanik, worüber er sogar eine Spezialvorlesung hielt. Nach wenigen Jahren jedoch (1895) ging Roux nach Halle an der Saale.
Ihm folgte Ferdinand Hochstetter. Neben Hochstetters Tätigkeit im Unterricht, waren es besonders Studien am Gefäßsystem verschiedener Tiere und des Menschen, die ihn als Nachfolger qualifizierten. Hochstetter leitete das Innsbrucker Institut bis 1908. In seiner Innsbrucker Zeit schrieb er u.a. Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des Gehirnes und des Blutgefäßsystems. Als hervorragender Präparator und Kenner verschiedenster anatomischer Techniken bereicherte er auch das Anatomische Museum durch wertvolle Präparate. Seine an der Luft getrockneten Präparate ganzer Körperregionen mit Gefäßen und Nerven gehören heute noch zu den Schönsten, die die Innsbrucker Anatomie besitzt.
Nach Hochstetter übernahm der Prager Ordinarius Rudolf Fick die Lehrkanzel (1909-1917). Fick hatte durch seinen ersten großen Beitrag "Anatomie und Mechanik der Gelenke" im ersten Band des Bardelebenschen Handbuches internationale Anerkennung gefunden. In Innsbruck arbeitete Fick an der Fortsetzung seiner Anatomie und Mechanik der Gelenke, die 1911 im Handbuch erschienen. Schwerpunkt seines Unterrichtes waren die Vorweisungen und Zergliederungsübungen:
"Er wollte morphologisch und funktionell denkende Ärzte heranbilden und keinen reinen Morphologen"
(Waldeyer). l917 nahm Fick einen Ruf nach Berlin an.
1918 trat Felix Sieglbauer die Nachfolge Ficks an. Sieglbauer leitete bis 1946 das lnstitut. Er war ein hervorragender Lehrer, dem tausende Ärzte ihre gründliche anatomische Ausbildung verdanken. Er schuf zahlreiche Präparate und Zeichnungen. Außerdem verdankt ihm das Institut eine große Bereicherung in der Schädelsammlung, die allerdings zum Teil beim Bombenangriff 1943 vernichtet wurde. Neben der von ihm geschaffenen anatomischen Zeichenmappe schrieb er eine Anleitung zum Präparieren ganzer Leichen. Als Krönung ist aber sein "Lehrbuch der normalen Anatomie des Menschen" zu betrachten.
1945 bereits als Ordinarius für Histologie und Embryologie berufen, folgte Gustav Sauser 1946 seinem Lehrer Sieglbauer nach. Sauser leitete damit sowohl das Anatomische als auch das Histologische Institut. 1948/49 war Sauser auch Rektor der Universität. Ihm ist der Wiederaufbau des zum Teil zerstörten Institutes in den Jahren 1950-1955 zu verdanken. Sauser bearbeitete wissenschaftlich insbesondere die Ossuarien in Hallstatt, Pürgg und Galtür. Er schrieb u.a. die "Therorie, Methodik und Technik mikroskopischen Arbeitens" und gab mehrfach Schuhmachers "Grundriß der Histologie des Menschen" heraus. Das Hauptwerk seiner anthropologischen Studien bildet "Die Ötztaler - Anthropologie und Anatomie einer Tiroler Talschaft". Gustav Sauser starb 1968.
Sein Nachfolger wurde Werner Platzer, der derzeitige Vorstand des Institutes. Platzer wurde am 1. August 1968 mit der supplierenden Leitung des Anatomischen Institutes betraut. Am 1. April 1969 wurde er zum Ordentlichen Universitätsprofessor ernannt und zum Vorstand des Institutes bestellt.
Unter seiner Führung wurde die personelle, apparative und bauliche Erneuerung des Institutes in Angriff genommen. In einem 10-Jahres Programm wurde, den extrem steigenden Studentenzahlen Rechnung tragend, das gesamte Institutsgebäude den modernen Gegebenheiten angepaßt.
Zu diesen Maßnahmen zählen:
Auch das Lehrangebot wurde entsprechend erweitert. Durch den Einsatz audiovisueller Geräte (seit 1969) und einer breiten Palette von Lehrveranstaltungen, in die auch die bildgebenden Diagnoseverfahren eingebracht wurden, kann die Anatomie den Studenten verbessert nahegebracht werden. Dies konnte aber nur durch eine entsprechend personelle Aufstockung auf einen Mitarbeiterstab von 32 Personen erreicht werden.
Wissenschaftliche Schwerpunktbildung stellt vor allem die klinische Anatomie dar, welche eine enge Zusammenarbeit mit klinischen Fächern ergibt und im Jahre 1991 als Fakultätsforschungsschwerpunkt ausgewiesen wurde. Dazu gehören u.a. Anatomie und bildgebende diagnostische Verfahren, sowie funktionelle Untersuchungen der Wirbelsäule. Der Tradition des Institutes entsprechend werden auch anthropologische Fragestellungen durch eine eigene Arbeitsgruppe für Paläoanatomie betreut, was auch dazu geführt hat, daß 1991 der wohl sensationellste archäologische Fund des Jahrhunderts, nämlich die Leiche des "Mannes vom Hauslabjoch", mit einem Alter von über 5000 Jahren dem Institut zur Betreuung, Forschung und Forschungskoordinaton überantwortet wurde.
Zahlreiche Vorträge im In- und Ausland, Publikationen, Bücher und Buchbeiträge, sowie Videolehrfilme fanden nationale und internationale Anerkennung. In Zusammenarbeit mit Kliniken entstanden zahlreiche Bücher, wie z.B. die 10-bändige Chirurgische Operationslehre oder die Zugangswege zur Wirbelsäule, die international große Bedeutung finden. Alle Bücher sind jeweils in mehreren Fremdsprachen übersetzt. So wurde der "Taschenatlas der Anatomie" mit verschiedenen Auflagen in bisher insgesamt 12 Sprachen übersetzt. Dem Verfasser, Univ.-Prof. Dr. W. Platzer, Vorstand des Institutes, wurde in Anerkennung dafür im Jahre 1990 der
Wissenschaftspreis des Landes Tirol
verliehen.
Das Literaturverzeichnis kann im Institut eingesehen werden.
Prof. Platzer emeritierte am 30. September 1997.
Mit Helga Fritsch übernahm am 1. Februar 1998 erstmals eine Frau das Institut. 1999, mit der Einführung des UOG'93, wurden die Institute für Anatomie sowie Histologie und Embryologie zum Institut für Anatomie und Histologie vereinigt.
Als Vorstand des nunmehrigen Institutes für Anatomie und Histologie wurde von der Institutskonferenz für die Amtsperiode von Juni 1999 bis Oktober 2001 A.Univ.Prof.Dr. Othmar Gaber gewählt.
Im Oktober 2001 hat die Institutskonferenz wieder O.Univ.Prof.Dr. Helga Fritsch als Institutsvorstand gewählt.
Mit der Bestellung von Lars Klimaschewski für Neuroanatomie (2000) und Lukas Huber für Histologie und Embryologie (2002) umfasste das Institut drei Professuren und vier Abteilungen. 2002 wurde das Institut in "Institut für Anatomie, Histologie und Embryologie" umbenannt.
Im Rahmen der Ausgliederung der Medizinischen Fakultät als eigenständige Medizinische Universität Innsbruck per 01.01.2005 wurde eine neue Organisation etabliert:
Das Institut wurde in "Department für Anatomie, Histologie und Embryologie umbenannt.
Das Department wurde in drei Sektionen/Divisions unterteilt:
Quelle: Die Medizinische Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Veröffentlichungen der Universität Innsbruck, Band 190