WAS IST ANATOMIE ?
Ihr griechischer Name besagt Zergliederungskunde. Als solche ergründet sie am Toten den Aufbau des Körpers und sucht die Bedeutung seiner Organe zu ermitteln. Immer will sie dabei dem Leben dienen. Sie schuf und schafft der Natur- und der Heilkunde grundlegende Erkenntnisse.
Die Anatomie unserer Zeit ist weit mehr als Zergliederungskunde. Der Name blieb, die Aufgaben erweiterten sich. So gruppieren sich heute um die alte Grundlehre zahlreiche Sonderwissenschaften mit ganz verschiedenartigen Methoden des Forschungsweges.
Nur eines ist auch diesen neueren Zweigen immer gemeinsam: sie suchen die lebendige Körperlichkeit durch genaue Beobachtung zu begreifen, und zwar nach Erscheinung und Ursache, nach Sein und Werden, im Grossen wie im Kleinsten, im Wohlgeformten wie in der Missgestalt.
Der Organismus als Ganzheit, seine Organe und Gewebe, sowie deren Elemente, die Zellen geben in ihrem Zusammenhang und Wirken, in ihrer Gleichartigkeit und Verschiedenheit anatomische Forschungsziele in reicher Fülle ab.
Die Untersuchung am Menschen steht dabei im Vordergrund. Doch lässt sich vieles leider am Menschen nicht ermitteln. So gehen sehr fruchtbare Erfahrungen auch auf das Studium an höheren oder niederen Tieren zurück. Solche haben insbesondere die Entwicklungslehre weitgehend erhellt.
Keine Wissenschaft steht für sich allein. Die wahre Lebensforschung ist niemals nur Anatomie. Viele Brücken verbinden daher unser Fach mit anderen Wissensgebieten, ganz vor allem mit der Physiologie, der praktischen Medizin, der Anthropologie und der Zoologie.
Position der Anatomie
Die Anatomie ist ein medizinisch-naturwissenschaftliches Grundlagenfach. Es befaßt sich in der Lehre mit der strukturellen Organisation des gesunden menschlichen Körpers unter funktionellen, klinischen und entwicklungsgeschichtlichen Gesichtspunkten. Ziel anatomischer Forschung ist die Klärung der Funktion von Zellen, Geweben und Organen unter besonderer Berücksichtigung ihrer Struktur und ihrer Zusammenhänge. Dabei kommt der an klinischen Fragestellungen orientierten Grundlagenforschung besonderes Gewicht zu.
Das Fach Anatomie dient der Integration von wissenschaftlich-forschender Erfahrung und klinisch relevanter Lehre. Es wird ausschließlich in Universitäts- und Hochschulinstituten vertreten. Es handelt sich um eigenständige Forschungs- und Lehrinstitute. Ihre Gliederung in Abteilungen für wissenschaftlich definierte Teilgebiete der Anatomie (e.g. Abteilung für Klinische Anatomie, etc.) dient der effizienten Gestaltung der den Instituten obliegenden Aufgaben. In Innsbruck ist jedoch eine derartige Gliederung aufgrund der prekären personellen Situation nicht möglich. Zu den spezifischen Aufgaben anatomischer Institute gehört es unter anderem, Anschauungsmaterial vom Menschen aufzubereiten und für Forschung, Lehre und Fortbildung zu nutzen. Dafür stehen den Instituten spezielle Einrichtungen, spezielles Personal und Mittel in eigener Zuständigkeit zur Verfügung.
In den Anatomischen Instituten sind Wissenschaftler mit medizinischer oder naturwissenschaftlicher Grundausbildung tätig. Sie erfüllen Aufgaben in Forschung, Lehre und Fortbildung. Grundlage der Laufbahn eines Hochschullehrers in der Anatomie ist die fachliche und wissenschaftliche Qualifikation. Für die Berufung auf eine Professur ist darüber hinaus der Facharzt für Anatomie und eine umfangreiche Unterrichtserfahrung Voraussetzung.
Anatomische Gesellschaft